5. Kapitel : Die letzte Wildnis, die Kimberleys
Im Norden von Westaustralien liegen die Kimberleys, ein gewaltiges Gebiet aus riesigen Rinderfarmen und Nationalparks, eine nur dünn besiedelte Wildnis von gewaltigen Ausmaßen. Durchquert werden sie von der Gibb River Road, einer mehr oder weniger gut ausgebauten Schotterpiste, die früher der einzige Weg für den Viehtrieb in der Gegend war.
Immer noch werden jedes Jahr in der Regenzeit ganze Gebiete völlig vom Rest der Welt abgeschnitten. Aber eben diesem Landstrich droht nun dasselbe Schicksal das den Kakadu Park bereits ereilt hat: Die Kimberleys werden immer mehr zu einem Touristenziel. In weiteren 10 Jahren wird es wohl nicht mehr möglich sein, so unbehelligt und einsam unter dem freien Sternenzelt unter einem Boab Tree (Flaschenbaum) zu schlafen wie ich das getan habe. Eine der letzten Wildnisse der Welt verschwindet und ein prominentes Beispiel ist die El Questro Station, eine Cattlestation (Rinderranch), die ich während meines Aufenthaltes in den Kimberleys besucht habe. Schon jetzt nehmen die Eigentümer mit den Touristen und den für sie angebotenen Bars und Resorts mehr ein, als jemals mit ihren Rindern!
Kurz gesagt, dies war genau einer der Teile der Welt, die ich schon immer einmal sehen wollte, bevor sie in ihrer Ursprünglichkeit verschwinden. Dazu war ich gerne bereit, 10 Tage lang abseits der Zivilisation zu leben, ohne die Annehmlichkeiten, die uns unser tägliches Leben so bietet. 10 Tage ganz ohne Toilette, Dusche und Seife und als einziger Kontakt zur Außenwelt ein Satellitentelefon—
von dem wir allerdings gegen Ende der Tour erst feststellen, dass es kaputt war…
Tourguide Jason sollte eine 9-köpfige Gruppe durch das ungezähmte Outback begleiten
und einige ungeahnte Überraschungen für uns bereits halten. Nein, nicht nur im Bezug auf das Telefon, sondern er sollte uns als Touristen den Geistern der Ureinwohner näher bringen als wir das gehofft hatten.
Nach dem frühmorgendlichen Start in Darwin beinhaltete der erste Tag nicht viel mehr als eine schier unendliche Autofahrt, lange 12 Stunden bis nahe zur Grenze nach Westaustralien.
Jason scherzte unterwegs, dass wir einiges an der „verlorenen“ Zeit am nächsten Tag wieder wettmachen konnten: Denn an der Grenze zu Westaustralien müssen wegen der Zeitverschiebung auch die Uhren umgestellt werden, womit wir 1,5 Stunden gewinnen würden.
Wir vertrieben uns die Zeit mit gegenseitigem Kennen lernen und Kartenspielen und dem Streit, welche CD aufgelegt werden sollte, und erst um zwei Uhr Nachmittag legen wir eine kleine Mittagspause am Victoria River ein. Nach einigen weiteren Kilometern hielt Jason schließlich an einem Felsabhang nahe der Straße an und führte uns mit einer kleinen Wanderung eine Anhöhe hinauf. Dort gab es einige Felsmalereien—nichts wirklich beeindruckendes, das musste der Guide selbst zugeben, aber immerhin eine nette Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten.
Nach weiteren Stunden des bewegungslosen Verharrens im Auto waren wir überglücklich, als wir am Abend Feuerholz sammeln können. Jason hatte einfach mitten auf der kerzengeraden Straße im Nirgendwo angehalten und schickte uns in den Busch, aus dem wir fast ganze Baumstämme anschleppten, um ein warmes Abendessen zu sichern. Zur Aufheiterung spielen wir anschließend auch noch eine Runde Football (Footy!) auf der breiten und völlig menschenleeren Straße durch das Outback.
Kurz nach Sonnenuntergang verließen wir diese dann schließlich und fuhren geradewegs auf eine verlassene Kuhweide, auf der wir mitten in der Ebene stehen bleiben. Hier wurde erst einmal das Lagerfeuer entzündet und Tee gekocht und ein warmes Essen zubereitet, das alle mit viel Vorfreude vorbereiten halfen. Danach war noch etwas Zeit für ein gemütliches Beisammensein und natürlich auch wieder für etwas Übung an Jasons Didgeridoo, das scheinbar ein obligatorischer Ausrüstungsgegenstand für jeden Tourguide ist. Jason beherrscht sein Instrument meisterhaft und das aus gutem Grund, denn er hat, wie er uns selbst erzählte, freundschaftliche Kontakte zu den Aborigines in Arnhem Land. Dort haben ihn die Ureinwohner sogar in ihren Stamm aufgenommen und somit auch einen Namen erhalten und seine eigenen Tiervorfahren zugewiesen bekommen. Die Familienstruktur der Aborigines selbst ist unglaublich kompliziert und obwohl Jason versuchte, sie uns etwas näher zu bringen, wage ich nicht, das wiederzugeben, was ich glaube, verstanden zu haben, aus Angst, Unsinn zu erzählen.
Aber Jason kannte auch so einige unglaubliche Geschichten, Legenden und Erzählungen,
und klärte uns auch endlich einmal über das Rätsel um das Didgeridoo auf.
Dieses Musikinstrument der Aborigines wird aus von Termiten ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt (auch wenn es in den Touristenläden immer mehr Plagiate aus Bambus made in Taiwan gibt) und eigentlich wurde es auch NUR von den Aborigines aus Arnhem Land und den Kimberleys für rituelle Zwecke verwendet.
Auch wenn man mittlerweile sogar in Tasmanien Didgeridoos kaufen kann, dessen Ureinwohner mit Sicherheit nie eines gesehen haben, haben nur diese nördlichen Stämme eine echte Beziehung zu diesem Instrument und verwenden es für ihre Zeremonien.
Frauen ist es verboten, das Didgeridoo zu spielen und es entsetzte mich etwas zu hören,
dass sie noch immer gesteinigt werden können, wenn sie es dennoch versuchen sollten.
Doch dahinter steht eine alte Legende, die uns Jason bereitwillig erzählte:
Einst gab es einmal einen bösen Geist, der umherzog und Frauen vergewaltigte.
Das rief die Krieger des Stammes auf den Plan, die loszogen um den Geist zu fangen und zu bestrafen. Sie erwischten ihn auch tatsächlich und rächten sich dadurch, dass sie ihm den Penis abgeschnitten. Doch der Geist lebt noch immer und um ihn zu besänftigen, müssen die Männer immer wieder auf dem Didgeridoo spielen—das eben diesen abgeschnittenen Penis symbolisiert. Nun, diese Geschichte erklärt einiges, wirft aber auch einige neue Fragen auf…
Um das Thema von peinlichen Diskussionen abzulenken, stellt Jason eine weitere Frage:
Ob wir schon gemerkt hätten, dass das Wetter in Australien verrückt spielt?
Was für eine Frage, ich hatte die nasseste Trockenzeit in der Wüste erlebt, die ich mir vorstellen konnte!
Doch auch hier kannte Jason die Antwort, die er von seinen Bekannten, einigen Aborigines aus den Kimberleys erfahren hat. Typisch für die Kimberley- Aborigines sind ihre Malereien von „Wonginas“, ihren Regengeistern. Diese Malereien müssen stets gepflegt und verehrt werden, denn es kann großes Unglück bringen, die Geister zu verärgern. Eine besonders heilige Stätte enthielt als Opfergabe einige schon mumifizierte, uralte Eier von Süßwasserkrokodilen, die für die Wonginas von großer Bedeutung sind. Doch vor einigen Monaten drangen unbekannten Vandalen, wohl unwissende und respektlose Weiße, in die heilige Stätte ein, verwüsteten sie und stahlen die heiligen Eier. Das war es, das die Geister so verärgert und damit die Wetterkapriolen ausgelöst hatte!
Wir waren von diesen Geschichten fasziniert und als Jason bemerkte, dass ihm seine Zuhörer wie gebannt lauschten, versprach er uns auch, mit uns eine Aborigine Grabstätte zu besuchen.
Entgegen unserer Vermutung sind diese Grabstätten nämlich nicht heilig, man muss dort nur einige Regeln beachten: Nicht auf die Knochen treten, nicht fotografieren und vor allem nicht stören, wenn der Stamm zu irgendeinem Zeitpunkt eine Zeremonie dort durchführt.
Auf diese Grabstätte war ich von diesem Moment an ganz besonders gespannt.
Die Nacht verbrachten wir auf der riesigen Kuhweide unter dem offenen Sternenzelt—wir schliefen in Swags auf einer wasserdichten Plane, die wir auf der blanken Erde ausgerollt hatten. Swags sind die Symbole des australischen Outbacks und in dem bekannten Lied „Waltzing Mathilda“ wird ja auch ein Vagabund beschrieben, der aus Einsamkeit mit seinem Swag tanzt. Es ist nichts weiter als eine Hülle für den Schlafsack oder die Decke, ausgelegt mit einer Matte, um den harten Boden etwas zu mildern. Wichtig ist, dass so ein Swag leicht zusammenzurollen ist (was uns Jason immer wieder üben lies), dass er leicht zu transportieren und zu verstauen ist (unsere Swags reisten auf dem Autodach mit). Übrigens, ein guter, von mir erprobter Trick, wie man verhindert, dass der Swag nachts durch Tauwasser nass wird (je nach Tourorganisation sind sie nämlich mehr oder weniger dicht) ist folgender: Man breitet einfach nachts ein Handtuch über ihm aus, dieses saugt das Tauwasser auf und hält dadurch trocken. Natürlich sieht man dann im Outback etwas albern aus, wenn man wie ich ausgerechnet das Handtuch des „Whiskas“- Katzenfutterclubs ausbreitet, aber immerhin bleibt man trocken. Gegen Regen hilft dann aber doch eher ein Zelt!
Die Kälte im Outback ist auch nicht zu unterschätzen—
die meisten aus meiner Gruppe haben erbärmlich gefroren, ich hatte, aufgrund der Warnungen meines tasmanischen Tierarztes, einem alten Hasen, aber einen echten, australischen Thermoschlafsack gekauft und auch Thermounterwäsche angeschafft.
Das frühmorgendliche Aufrollen der Swags nach einer kalten Nacht ist gar nicht so einfach und erforderte zu unserer Überraschung Übung und am Anfang zwei Leute. Denn die Swags müssen ganz eng und kompakt geschnürt werden, damit sie aufs Autodach passen. Mehr als einmal musste uns Jason unsere Swags wieder zurückwerfen und uns die Arbeit erneut machen lassen.
Bevor wir am nächsten Tag früh morgens über die Grenze nach Westaustralien fahren können, müssen wir zum Frühstück noch alle Obst- und Nahrungsmittelreste aufessen,
denn es ist verboten, diese in den anderen Bundesstaat einzuführen. Diese Quarantäne wird auch an der Grenze streng überwacht und die Autos mit Hunden durchsucht.
Doch auch das bringen wir hinter uns und endlich sind wir in WA (Western Australia) und bereit, in die Kimberleys einzudringen. Zuerst steht uns an diesem Morgen ein Flug vom Kununurra Airport über die „Bungle Bungles“ bevor.
In einem Buch hatte ich zuerst von diesem Gebirge erfahren, das erst vor 20 Jahren entdeckt und schnell wegen der Tigerstreifen, die es aufweist, bekannt wurde. Voller Vorfreude wartete ich darauf, diese faszinierenden Berge mit eigenen Augen zu sehen!
Nun, das Flugzeug, das uns dorthin bringen sollte, gehörte bezeichnender Weise einer Gesellschaft namens „Crocodile Airlines“ an, und wir hofften, lebend wieder aus der Sache herauszukommen. Denn die kleine, einmotorige Propellermaschine war eine wirklich wackelige Angelegenheit, die die meisten ihrer 6 Passagiere mit reichlich grünen Gesichtern auf ihren Plätzen sitzen lies.
Auf dem Weg zu den Bungle Bungles überquerten wir den Lake Argoyle, mit 70km Länge der längste Stausee Australiens. Dort wird Elektrizität erzeugt und das aufgestaute Wasser ist wichtig für die Landwirtschaft. Eigentlich ein Wahnsinn, denn mitten in dieser Trockenheit bauen die Australier tatsächlich regelrecht Wasser vernichtende Pflanzen wie Bananen, Zuckerrohr und Baumwolle an!
Auch flogen wir über die riesige Argoyle Diamond Mine, der größten Diamantenmine der Welt. Das war wohl das größte Loch, das ich bisher gesehen hatte, mit kaum vorstellbar weitläufigen Abraumhalden und einem eigenen, großen Flughafen. Die Kimberley- Diamanten sind sehr hochwertig und geschätzt, was wohl die Abtragung eines ganzen Bergmassivs rechtfertigt.
Dann endlich, die Bungle Bungles. Eine Bergkette, bestehend aus vielen größeren und kleineren Felsdomen aus Sandstein, gelb- grau- schwarz gestreift, wobei das Grau und Schwarz von den Algen herrührt, die sich im Gestein angesiedelt haben. Eben diese Algen erfüllen eine wichtige Aufgabe, sie schützen mit ihrem Überzug den Fels vor Verwitterung.
Die einzelnen Dome sind durch gewaltige Schluchten und Gräben voneinander getrennt und wir sehen sogar einen Meteoritenkrater, der sich in diese Berge eingegraben hat. Fast wie im Krieg der Sterne beim Angriff auf den Todesstern ließ unser Pilot das Flugzeug in die Schluchten steigen, wir standen seitlich in der Luft und machten einige spektakuläre Sturzflüge.
Zum Mittagessen waren wir mehr oder weniger heil wieder in Kununurra.
Von dort aus machen wir einen kleinen Abstecher in die Wetlands, in die Sümpfe nahe Wynham. In der Trockenzeit trocknet der See in ihrer Mitte aus, und das gab Gelegenheit für Jason, uns all das vielfältige Vogelleben zu zeigen, das sich um uns herum ausbreitete. In diesem Gebiet sehen wir sie dann auch zum ersten Mal, die Boab Trees,
Flaschenbäume, das Symbol für die Kimberleys, die von nun an das Landschaftsbild beherrschen würden. Und kurz darauf fuhren wir dann auch auf die Gibb River Road—
um der Zivilisation endgültig den Rücken zu kehren.
Unser erstes Ziel, an dem wir auch den Abend verbrachten, war die „El Questro Station“, eine Rinderfarm von gewaltiger, flächenmäßiger Ausdehnung, die eben dabei ist, sich von einer abgelegenen Cattle Station zu einem Touristen- Resort zu verwandeln. Hier besuchten wir die Emma Gorge, eine enge Schlucht, an deren Ende uns ein Wasserloch zum Schwimmen erwartete. 45 Minuten mussten wir über Felsen klettern, um dieses zu erreichen, leider hatten die 200m hohen Felswände zu beiden Seiten der Schlucht die Sonne schon von uns abgeschnitten, so dass es trotz der Tageszeit, später Nachmittag, bereits recht düster und kühl war. Dann endlich breitete sich vor uns ein Felspool aus, in den ein prächtiger, mit Moosen und Farnen unterlegter Wasserfall stürzte. Jason hatte bei diesem Anblick keine Hemmungen mehr, sprang gleich mit einem Schrei ins Wasser: „ Kommt schon! Es ist herrlich!“ Und besonders auf mich hatte er es abgesehen, denn mir rief er zu: „ Was ist jetzt, Wasserfall- Girl? Du solltest hier als erste rein springen! Mach endlich!“ Zögerlich streckte ich meinen großen Zeh ins Wasser—
zu sagen, das Wasser war kühl, wäre eine Untertreibung. Es war bitterkalt! Das kälteste Wasserloch meiner bisherigen (kurzen) Laufbahn! Ich sprang aber trotzdem hinein, denn ich hatte immerhin einen Ruf zu verlieren und mir blieb erst einmal die Luft weg. Das eiskalte Wasser raubte mir den Atem, trotzdem schwamm ich zum Wasserfall und stellte dort mit Entsetzen fest, dass das Wasser von oben NOCH kälter war. Bibbernd beschloss ich endlich, an Land zurückzukehren, unter dem Lachen von Jason, als er meinen zitternden Körper sah.
Auf ein Bier fanden wir uns dann am Abend in der Bar der Cattle Station ein und traffen dabei auf einen ziemlich betrunkenen, jungen Amerikaner, der uns zu unserem Erstaunen mitteilte, dass er schon eine Woche in Australien war—und noch kein Känguru zu Gesicht bekommen hatte. Und dabei war er extra wegen den Kängurus hierher gekommen!
Nun, das konnten wir beim besten Willen nicht verstehen, denn von Kängurus wimmelte es in der Gegend regelrecht, sogar auf der Fahrt vom Zeltplatz zur Bar waren wir fast über zwei Tiere gefahren. Aber wie Jason am Ende richtig sagte: „Selber schuld—
eine Bar ist einfach der falsche Ort, Kängurus zu suchen. Vor allem, wenn man dort nur besoffen herumhängt!“
Am nächsten Morgen jagte uns Jason schon um 5 Uhr aus unseren kuscheligen Swags,
um uns eine der spektakulärsten Stellen der ganzen Tour zu zeigen. Und natürlich, um sie auszutesten: Die „Chebedee Hot Springs“. Was kann es Schöneres geben als heiße Quellen an einem kalten Morgen?
Es gab auch einen guten Grund für das frühe Aufstehen, denn nach Sonnenaufgang sind die Quellen von Touristen so überlaufen, dass wir uns um Plätze hätten prügeln müssen.
Zwar beschwerten wir uns über Jasons hartes Regiment, aber er versuchte es uns immer wieder mit überirdischen Schilderungen schmackhaft zu machen. So führte uns der Guide zu nachtschlafender Zeit mitten durch den dunklen Wald in einen Palmenhain. Dort liefen wir im Halbdunkel unter Palmen und an roten Felsen vorbei…
und mit einem Mal blieb Jason stehen, stieß einen Schrei aus, riss sich die Kleider vom Leib und verschwand in die Dunkelheit eines kleinen Wasserpools.
Wir waren da!
Viele kleine Pools, in mitten von Palmen, unterteilt durch kleine Wasserfälle…
Das alles wirkte irreal, fast künstlich. Mit einem Mal befanden wir uns in ein einem von der Natur geschaffenen Wellnessschwimmbad! Mit allen Schikanen!
Wir taten es alle Jason nach, sprangen ins Wasser der verschiedenen Pools und testeten sie aus. Das Wasser ist schön warm, aber die Temperatur unterscheidet sich auch je nach Pool:
So kann man auch unter einem kalten Wasserfall duschen und dann ins heiße Wasser steigen,
oder sich einen warmen Wasserfall suchen und dann ein kaltes Bad.
Ich entspannte in einem gemütlich warmen Felsloch, blicke nach Oben zu den Palmen…
und überall um mich herum auf den Felsen sprangen kleine Frösche herum, sprangen von Fuß zu Fuß, von Knie zu Knie…
Es war perfekt!
Eine ganze Stunde hatten wir dieses Paradies für uns und erst als wir gingen, trudelten die ersten konkurrierenden Touristen ein.
Nach dem ausgiebigen Bad erfrischt für den Tag machten wir uns als nächstes auf zu einer 7km langen Wanderung durch die El Questro Gorge. Fast 5 Stunden brauchten wir dafür, denn der Weg ist eine echte Kletterei über die Felsen und quer liegende Baumstämme im Flussbett der Schlucht. Zusätzlich muss man auch noch einige Stellen SCHWIMMEND bewältigen. An einer solchen Stelle mussten wir im Fluss eine Kette bilden und uns unsere Sachen, Wasser, Kameras und Essen, gegenseitig weiterreichen. Bei der ganzen Kraxelei rutschte ich auch einmal gefährlich ab—und riss mir meine Handfläche ziemlich tief auf. Die Narbe besitze ich noch heute und ich trage sie mit Stolz als Erinnerung an die abenteuerliche Eroberung der El Questro Gorge. Aber ich war auch so an unserem Ziel, ein weiteres Mal ein kleiner Wasserfall, völlig fertig und von Abschürfungen bedeckt, meine Oberschenkel protestierten. Trotzdem eilte ich schnell herbei, als es einiges an Aufregung über eine schwarze Schlange gab, die vor uns davoneilte und die Jason versuchte zu fangen.
Zum Glück für die Schlange (und vielleicht auch uns) konnte sie sich aber zwischen den Felsen vor uns verstecken.
Die Schlucht ist sehr eng, kein Sonnenstrahl kam zu uns herab, als wir unser Mittagessen hungrig wie die Wölfe vertilgen. Dabei mache ich mir wieder einmal eines meiner Vegemite- Sandwichs, was Jason zu der Frage verleitete:
„ Du bist doch eine Deutsche! Wieso magst du Vegemite?!?“
Ich grinste: „Es ist gesund!“
Jason schüttelt aber den Kopf: „ Das ist doch kein Grund!“
Ich blieb bei meinem Vegemite, blickte glücklich über mein Sandwich hinweg an die feuerroten Wände der Schlucht, die über und über bedeckt waren mit leuchtend grünen Farnen.
Der nächste Lagerplatz für die Nacht war am Pentecost River. Ein krokodilverseuchtes Gewässer und zwar verseucht mit der schlimmen Sorte, den Salzwasserkrokodilen!
Man stelle sich vor: Unser Camp war direkt am Fluss und wir schliefen ohne Zelte, unter dem freien Sternenzelt auf einer Plane. Nach einer Beschwerde von uns grinst der Guide aber nur frech: „Wenn euch ein Krokodil zum Fressen auserkoren hat, nutzt euch auch das Beste Zelt nicht mehr viel…“ (Jason hat da gut lachen, denn er hat das Dach des Geländewagens als Schlafplatz auserkoren!). Und im Wasser, keine 50m entfernt, konnten wir zu unserem Unbehagen einige Dinge im Wasser treiben sehen, bei denen es sich bestimmt nicht um Baumstämme handelte! Kein Wunder also, dass es einen Streit darüber gab, wer am weitesten vom Wasser weg seinen Swag ausrollen durfte…
Zum ersten Mal seit Beginn der Tour wurde das Camp bei Tageslicht aufgeschlagen, denn wir wollten noch das Farbenspiel des Sonnenuntergangs an den Klippen der Pentecost Ranges sehen. Diese Klippen sehen majestätisch aus, und man fühlte sich regelrecht in alte Wild West Filme versetzt. Am Aussichtspunkt, an dem wir unsere Campingklappstühle aufstellen, reichte uns dann Jason auch stilgerecht Getränke und kleinere Snacks, damit wir den
Sonnenuntergang noch intensiver genießen konnten. Ein kleines Geräusch in einem Busch erweckte bald aber meine Aufmerksamkeit, die mich von den Farben an den Felsen ablenkte— eine kleine Echse blickte mich aus den dünnen Zweigen heraus an. Meine Entdeckung verkündete ich sofort Jason, wobei ich aber natürlich nicht darauf achtete, die Menge an Keksen in meinem Mund zuerst runterzuschlucken. Jason hob daraufhin tadelnd den Finger, lachte dabei: „ Nein, Ellen, den Gecko kriegst du nicht auch noch zum Essen…“