13. Kapitel: Im Wohnzimmer der Löwen

Wenn man schon eine Zeit lang in der Nähe von Adelaide weilt, darf man sich natürlich auf keinen Fall die nahe gelegene Insel „Kangaroo Island“ entgehen lassen. Über viele Jahrtausende war diese Insel unbewohnt, selbst bevor die Weißen kamen wagten die Aborigines nicht, diese Insel zu besiedeln. In einem kleinen Museum auf der Insel werden aber, neben den Ausstellungen zu den einheimischen Tieren und der Geologie, einige Beweise für eine frühe Besiedlung der Insel durch Aborigines gezeigt. Durch irgendeine Katastrophe sind diese frühen Bewohner alle umgekommen und seit diesem schicksalhaften Ereignis erzählten sich die Ureinwohner des Festlandes, dass böse Geister die Insel bewohnten und dass es daher unmöglich war, dorthin zu gelangen. Da sie so lange ungestört waren, konnten sich somit ganz eigene Unterarten von Kängurus und anderen Tieren auf der Insel entwickeln und ihre Vielfalt bewahren. Das war eine Insel, die ich besuchen musste!

Und, wer glaubt schon an böse Geister…

Doch scheinbar hatten eben diese Geister vor, mich gleich am Anfang zu ärgern! Denn schon bei meinem ersten Treffen mit dem Tour Guide dieser neuen Expedition zeigte er mir auf seiner Liste, dass ich als Vegetarier gebucht war. Ein Schock, denn ich war erklärter Allesfresser und der Guide hatte versprochen, dass es bei ihm endlich einmal Känguru- Steaks geben würde—würde ich die also verpassen?

Sofort verteidigte ich mich: „ Ich bin kein Vegetarier!“

Aber der Guide stellte nur mit einem Blick auf seine Liste fest: „JETZT bist du einer.“

Doch meine Sorge, bei der Verteilung der Känguru- Steaks leer auszugehen, war völlig unbegründet, denn wir hatten einmal mehr ein paar Mädels in der Gruppe, die allein der Gedanke daran, „Skippy“ zu essen, abschreckte. So hatte sich dieses Problem recht schnell gelöst.

Weitaus schlimmer war der strömende Regen aus meiner persönlichen Regenwolke, die mich endlich wieder eingeholt hatte und aus Rache die gesamte Gegend unter Wasser setzte.

Am ersten Tag machten wir nämlich einen Abstecher auf die Fleurieu Halbinsel, um die Südlichen Glattwale zu sehen, die jedes Jahr im australischen Winter zum Kalben an die Küste kommen. Ich hatte ja jetzt schon mehrmals diese wundervollen Tiere verpasst, wie schön wäre es, endlich einmal einen zu sehen!

Wir besuchten sogar mehrere Aussichtsstellen, aber das Wetter machte uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Es goss wie aus Eimern und machte keine Anstalten, aufzuhören, dazu blies ein frischer Wind, der einige ansehnliche Wellen aufs Meer zauberte. Keinen einzigen Wal haben wir gesehen. So steuerte unser Guide einen kleinen Hafen an. Da ja nur

„einige wenige“ Schaumkronen auf dem Wasser waren, konnten wir es gut riskieren, dass ein einheimischer Fischer uns mit seinem Fischerboot zur Känguru- Insel übersetzte. Warum sollten wir auch die langweilige Fähre nehmen, wenn die Fahrt auf diesem kleinen Fischerboot um so viel spannender war? Ja, Spannung hatten wir in den folgenden 30 Minuten der Überfahrt genug, denn wir konnten uns nirgendwo festhalten, es regnete in Strömen und die Gischt brandete über das Deck des Bootes, während wir bei dem hohen Wellengang hin und hergeschleudert wurden. Die Plastikplane, unter der wir uns zusammenquetschten, hielt das von überall kommende Wasser nur in homöopathischen Dosen ab, so dass wir bald aussahen wie gebadete Hunde. Ein echtes Abenteuer. Wie vom Guide versprochen!
Wider Erwarten und reichlich grün im Gesicht erreichten wir den Ort „Penneshaw“ an der Küste Kangaroo Islands. Kaum waren wir gelandet und beschäftigt damit, unsere Habseligkeiten in den bereitstehenden Geländewagen zu laden, als über uns die dichte Wolkendecke aufzubrechen begann. Vielleicht waren die Geister der Insel uns doch freundlich gesinnt!
Da es noch viel zu kalt (und vor allem feucht) zum Camping war, schlugen wir unser Basislager in der kleinen Hütte der Tourorganisation auf, ein hübsches, kleines Gebäude im Busch auf dem Gelände einer Farm, das der Guide liebevoll das „Cottage“ nannte.

Hier sollten wir die nächsten zwei Nächte schlafen. Von der kleinen Terrasse aus hatte man einen wundervollen Blick auf eine ausgedehnte Grasfläche, auf der Dutzende von westlichen, grauen Kängurus und Tammar Wallabies grasten und umher sprangen. Sogar einige richtige Boxkämpfe zwischen den rivalisierenden Männchen konnte ich beobachten!

Etwas weiter in der Ferne konnte man einen Teil der Küste und die schroffen Kliffs erkennen und wenn es ganz still war hörte man ganz leise und von weit weg das Donnern der Brandung. Unter dem Dach der kleinen Hütte lebte ein frecher Opossum, das so dreist war, sich an uns anzuschleichen und uns unser Essen vom Tisch zu stehlen, wenn wir nicht aufpassten. Natürlich war dem süßen Kerl niemand sauer, wenn er mit seiner Beute im Maul wieder auf das Dach zurückkletterte, dazu fand jeder seine schwarzen Knopfaugen zu putzig. Trotzdem merkte ich an, dass Opossum ganz lecker schmeckte—ich hatte es in Tasmanien einmal probiert. Damit erntete ich aber nur seltsame Blicke. Niemand schimpfte, als man nachts das Opossum eifrig über das Dach huschen hörte und vor allem kam außer mir keiner auf die Idee, den Störenfried in die Pfanne zu hauen.

Als es dann darum ging, die Betten zu verteilen, drängte ich mich, wie üblich, nicht nach vorne. Deshalb bekam ich die Ursache für den plötzlichen Schrei nur halb mit:

Jemand hatte in seinem Bett eine große Spinne entdeckt! Ich erkannte dort aber nur einen kleinen „Huntsman“, eine an sich harmlose Jagdspinne, die leider die unangenehme Eigenschaft hatte, so groß zu werden wie eine Männerhand. Schnell eilte ich nach vorne, bevor das arme Tier erschlagen wurde und fing es geschickt mit meinen Händen, beförderte es nach draußen in die Sicherheit. Von nun an ruhten beeindruckte Blicke auf mir, die zwischen Entsetzen und Bewunderung schwankten. „ Wo schläfst du?“ wurde ich gefragt,

„ wenn heute Nacht etwas zu mir ins Bett gekrabbelt kommt, fängst du das dann auch?“

„ Du bist echt verrückt. Durchgeknallt. Wieso machst du so was?” war die nächste Frage.

„ Das ist mein Job. Tiere retten“, ich grinste.

-„Bist du Zoologe?“

Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu outen: „ Nein, ich bin Tierarzt.“

Während der Tour Guide am Abend die Känguru Steaks zubereitete (und dabei über das nasse Brennmaterial fluchte, das alles verzögerte), setzte ich mich in den Gemeinschaftsraum der Hütte ab, in dem auch die Feuerstelle war und wo man bei schlechtem Wetter sowohl as als auch gemütlich zusammen saß. Ich hatte in einer Ecke ein Didgeridoo entdeckt, das einen noch besseren Sound hatte als mein eigenes. Also widmete ich mich dem Musizieren, probierte alle Klänge und Geräusche aus, die ich bereits gelernt hatte: Das Känguru, den Dingo, das Krokodil, den Kookaburra, den Specht, Schritte…

Nach einiger Zeit kam der Tour Guide herein, lachte und fragte: „ Ach du bist das, der mit dem Didj so gut umgehen kann!“

Ich grinste.

-„ Wo hast du das gelernt?“

-„ Ich war eine Weile in Tasmanien, hab dort als Tierarzt gearbeitet. Und da ich mir mein eigenes Didgeridoo gekauft habe, hat mir mein tasmanischer Chef einen Lehrer besorgt, der mir das Spielen beigebracht hat.“

Ja, ich dachte an diese Zeit zurück. Ein wirklich uriger Typ, mein Didgeridoo- Lehrer, ein Freund meines tasmanischen Tierarztes, der professionell mit seinem Instrument auftrat. Obwohl er ein Weißer war, sah er doch aus wie frisch aus dem Busch, mit einem dickten Bart und alternativen Klamotten…

aber das Instrument beherrschte er meisterhaft.

So erklärte ich meinem Tour Guide auch etwas von der Theorie. Natürlich, das normale Brummen konnte auch er erzeugen, aber ich demonstrierte ihm noch den Ruf des Kookaburra und das Springen des Kängurus. Stolz erfüllte mich, dass ich es endlich gelernt hatte, mit dem Didgeridoo umzugehen. Immerhin dachte ich ja Monate zuvor im Kakadu Park und in den Kimberleys noch, ich würde es nie lernen!
Am nächsten Morgen wachte ich vor allen anderen auf, ich war voller Erwartung und sehr aufgeregt. Was würde an diesem, neuen Tag alles passieren? Welche Wunder würden wir sehen? Ich mache mir eine heiße Tasse Tee und setze mich auf einen bequemen Sessel auf der Terrasse vor der Hütte. Hier genieße ich die herrliche Aussicht über die Känguru- Wiese, die Küste im morgendlichen Licht und natürlich auch die Stille um mich herum. Als dann Leben in die Bude kommt und das Frühstück herumgereicht wird, besucht uns auch ein frecher, kleiner Australian Shepherd- hundewelpe vom nahen Farmhaus. Der Farmer züchtet diese Schäferhundrasse und nimmt mit ihnen auch an Wettbewerben teil—nur an ihrer Erziehung muss er noch etwas arbeiten! Denn der kleine Hund stolpert über unser Frühstück, springt uns allen fast in die Teetassen und verteilt unablässig Küsschen, ob wir das nun wollen oder nicht.

Den Morgen nutzen wir für einen Ausflug zum Koala- Refugium in der Nähe. Einige Dutzend Koalas konnten wir dort in den Bäumen sitzen sehen, darunter auch einige mit einem roten Knopf im Ohr—das Zeichen dafür, dass dies kastrierte Tiere sind.

Die Koalas sind überall in Australien vom Aussterben bedroht, die Zerstörung ihres Lebensraumes, Verkehrsunfälle und Krankheiten setzen ihnen zu. Nur auf Kangaroo Island gibt es das gegenteilige Problem, hier sind die Koalas eine Bedrohung für ihre Umwelt.

Denn ursprünglich gab es diese Beuteltiere dort nicht, erst die weißen Siedler schleppten sie ein. Und wie so oft war das keine gute Idee—denn die Koalas vermehrten sich so ungehemmt, dass mittlerweile ein großer Teil der Eukalyptusbäume der Insel am Absterben sind. Die Koalas haben sich sozusagen ihre eigene Nahrungsgrundlage weg gefressen!

Verzweifelt versucht man nun, der Plage Herr zu werden, ohne die bedrohten Tiere weiter zu gefährden. Denn es gibt einfach zu viele von ihnen, die qualvoll verhungern, weil sie alles kahl fressen. Eine Möglichkeit, die man ins Auge gefasst hat, ist die Kastration der Tiere oder man verabreicht ihnen die „Antibabypille“. Leider brachte das nicht die gewünschten Erfolge, weswegen nun auch teilweise die Koalas zum Abschuss freigegeben werden. Das mag zuerst brutal klingen, aber es ist mit Sicherheit humaner, einige Tiere zu erschießen, als ALLE langsam verhungern zu lassen.
Die putzigen Koalas so nahe zu sehen, war wirklich ein schönes Erlebnis, aber auch das war nicht ungetrübt—denn die australischen Elstern hatten Brutsaison! Ich dachte erst, die Warnungen des Guides, dass diese Vögel uns von oben attackieren würden, wären stark übertrieben. Aber ich hatte nicht mit dem ausgeprägten Revierverhalten dieser Tiere gerechnet! Sie stießen von oben herab, hackten mit den Schnäbeln und schlugen mit den Krallen. Ich war überrascht, als der erste Angriff mir meinen Cowboyhut vom Kopf riss

und von da an hatte ich keine ruhige Minute mehr: Denn entweder ahnten die Vögel, was mein Beruf war, oder mein rotes Haar war eine Art rotes Tuch für sie. Immer wieder stießen sie auf mich herab, ließen dabei die anderen der Gruppe fast ganz in Ruhe, was zu einem lauten Gelächter der Schadenfreude führte. Zum Schluss setzte ich meinen Hut nicht mehr auf, sondern setzte ich ganz dazu ein, nach den aggressiven Vögeln zu schlagen, die ich verfluchte und denen ich wüste Drohungen an den Kopf warf, wie etwa, auf welche Art ich sie zubereiten würde, würde ich einen erwischen.

Ich atmete auf, als wir wieder in unseren Geländewagen stiegen. Nun sollten wir das Highlight der ganzen Tour erleben, der Besuch in Seal Bay, der Seehund Bucht.

Dort gab es eine große Kolonie von australischen Seelöwen und mit einem Ranger des Nationalparks können hier kleine Touristengruppen eine Wanderung durch die Kolonie, vorbei an den riesigen Meerestieren, unternehmen. Diese hatten zurzeit Paarungszeit, was uns einige ganz besondere Erlebnisse bescheren würde. Dabei schärfte uns unser Guide immer wieder ein, dass wir damit in das „Wohnzimmer“ dieser Tiere eindringen würden, in ihren engsten Lebensbereich, und dass wir uns dort auch dementsprechend zu verhalten hätten.

Gleich zu Beginn stoßen wir mitten auf dem Weg auf einen kleinen Seelöwenwelpen, der neugierig auf uns zukommt und an unseren Schuhen schnüffelt. Obwohl es eine große Versuchung ist, das kleine Tier mit den großen Knopfaugen zu streicheln, die oberste Regel im „Wohnzimmer der Löwen“ ist, kein Tier zu berühren, keines zu füttern, mit keinem in Kontakt zu treten. Der Ranger macht uns deutlich, dass nur, wenn die Seelöwen uns als Teil der Umwelt anerkennen, der sie nicht stört und keine Gefahr darstellt, nur dann kann man auch gefahrlos durch ihre Kolonie laufen. So ein kleiner Welpe ist sehr niedlich—

aber er wird vielleicht einmal ein 200kg schwerer Bulle sein und es wäre wohl nicht mehr lustig, wenn ein solcher die Touristen verfolgen würde, um seine Streicheleinheiten zu bekommen. So ist es uns tatsächlich möglich, am Strand entlang zu laufen, vorbei an Müttern mit ihren Jungen und den riesigen Seelöwenbullen, die uns trotz allem etwas suspekt sind.

Bis auf wenige Meter kommt man an die Tiere heran und sie lassen sich auch nicht im Geringsten von den Touristen stören.

Nach einiger Zeit ließen wir uns auf das Kommando des Rangers hin auf einer Düne nieder. Vor uns saß ein riesiger, dunkel gefärbter Bulle, und der Ranger hatte bemerkt, dass sich ein Rivale näherte! So konnten wir einen Kampf ganz aus der Nähe beobachten, nur wenige Meter von uns entfernt hatten die beiden Titanen einander erblickt.

Laut brüllend richteten die Seelöwen sich auf und stürmten aufeinander zu. Der Verteidiger des Reviers was dabei eindeutig an Masse und Lautstärke überlegen, so dass der Eindringling widerwillig und laut schimpfend das Feld räumen musste. Wir saßen eben noch auf unserer Düne, beobachteten den siegreichen Bullen bei der Demonstration seiner Macht, als der Ranger uns leise, aber sehr bestimmt darauf hinwies, sofort einige Meter von hier zu verschwinden. Schnell eilten wir zur Seite. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass sich vom hohen Schilfgras hinter uns eine neue Gefahr genähert hatte: Ein weiterer Bulle tauchte auf und kaum waren wir in Deckung gegangen, rutschte er laut brüllend eben die Düne hinunter, auf der wir noch Momente vorher gesessen waren!

Keine angenehme Aussicht, von so einem kampfeslustigen 200kg Giganten überrollt zu werden.
Aber der Ranger hatte uns rechtzeitig gewarnt und so blieben wir heil und konnten noch einen weiteren Kampf mit ansehen.

Zur Entspannung setzte uns unser Tour Guide anschließend in einer Dünenlandschaft aus, die „Little Sahara“ genannt wurde. Hier sollte es zum Sandboarden gehen! Das ist ein Freizeitsport, ähnlich wie Snowboarden, nur eben auf Sand statt auf Schnee. Mit gut gewachsten Boards kommt man so trockene Dünen hinunter, die natürlich, wegen der größeren Reibung, auch steiler sein müssen als beim Snowboarden, damit man eine ordentliche Geschwindigkeit erreicht. Leider verloren wir etwas an Zeit, weil wir nach dem Regen erst einmal eine Düne finden mussten, die einigermaßen abgetrocknet war. Doch dann konnte es losgehen: Auf den schmalen Boards steile, dutzende Meter hohe Sandberge hinunter (und natürlich auch wieder hoch, was wesentlich mühsamer ist, wenn einem der Sand unter den Füßen wegrutscht). Mehr als einmal fielen wir mit dem Gesicht voran in den Sand—und mussten im wahrsten Sinne des Wortes Dreck fressen.
Die Nacht hielt ein besonderes Ereignis für uns parat: Die allnächtliche Rückkehr der Zwergpinguine an ihre Nistplätze. Diese in den südlichen Bundesstaaten Australiens heimischen Vögel sind die kleinsten Pinguine der Welt und normalerweise sehr scheu.

Deshalb ist es auch nur erlaubt, sie mit einer Rotlichtlampe und nicht mit einem Suchscheinwerfer zu beobachten und man durfte sie auch nur ohne Blitz fotografieren, was

dies natürlich schwierig bis unmöglich machte. Denn die Pinguine nisten in dichtem Buschwerk, wo es natürlicherweise ziemlich düster ist. Aber wir haben ausgesprochenes Glück: Wir können in dieser Nacht sogar einige heimkommende Eltern beobachten, die von ihren Jungen stürmisch begrüßt werden und nach einer kurzen Begrüßungszeremonie sofort gefüttert werden. Pinguineltern, die unter einem Busch ihre Küken füttern, wann sah man so was schon mal? Aber es sollte noch besser kommen.

Denn plötzlich hörten wir einigen Radau in der Nähe und stießen an einem kleinen, grasigen Abhang, ohne viel Deckung, auf zwei weitere Pinguine. Ohne viel Scham waren die beiden dabei, sich in der Öffentlichkeit zu paaren und wir schienen sie dabei kaum zu stören.

„Wow, ein echter Pinguin- Porno!“ zischte uns der Tour Guide leise, aber sichtlich begeistert zu, „ mit allen erforderlichen Geräuscheffekten!“

Ja, zweifellos sehr interessant. Nur schade, dass man keine Fotos mit Blitzlicht machen konnte!

Am nächsten Tag stand der „Flinders Chase National Park“ auf dem Programm. Hier besuchten wir eine Kolonie von neuseeländischen Seehunden. Diese sind kleiner als die Seelöwen, die wir am Tag zuvor gesehen hatten und sie leben auch nicht am Strand, sondern bevorzugen felsige Küsten, an denen sie rasten und ihre Jungen großziehen. Nach unserem Erlebnis am Tag zuvor ist das Laufen über befestigte Stege natürlich nicht dasselbe. Natürlich sehen wir wieder einige putzige Jungtiere und auch dein Gezeitenpool, der als Kinderstube dient, aber da die Seehunde zu dieser Zeit keine Paarungszeit hatten wie die Seelöwen, war es in der Kolonie im Allgemeinen ruhiger und friedlicher.

Danach, DIE Touristenattraktion, die “Remarkable Rocks”. Granitfelsen, völlig irreal gestaltet durch Wind und Wellen an der Küste, Felsformationen, die wie von einem modernen Künstler geschaffen aussehen und zu vielen lustigen Fotos einladen:

Ein Foto von mir im Schlund des Drachen, ein Foto von mir im Mauseloch…

wie einen schweizer Käse hat die Natur diese Felsen ausgehöhlt und eine surreale Attraktion geschaffen.
Nichts ahnend fahren wir weiter, und überfahren dabei fast eine riesige Schlange, die vor uns die Straße überquert. Eine große, schwarze Tiger Snake, eine der giftigsten Schlangen des Kontinents, ergriff vor uns die Flucht. Sie hatte sich auf dem warmen Teer der Strasse aufwärmen wollen. Normalerweise, so lernen wir heute, sind Tiger Snake nicht schwarz, sondern braun mit schwarzen Streifen, was zu ihrem Namen führte, nur die Unterart auf Kangaroo Island weißt diese Färbung auf. Ich hatte schon in Tasmanien einige Erfahrungen mit diesen Giftschlangen gemacht, darunter eine tote Schlange seziert und auch miterlebt, wie auf einer Weide einem Bauern einige Kühe auf geheimnisvolle Weise verendeten. Erst ein Bluttest der toten Kühe brachte uns hinter das Geheimnis: Eine riesige, aggressive Schlange hatte damals 5 Kühe tot gebissen!

Anschließend brachen wir noch zu einer kleinen Wanderung in den Busch auf, auf der wir neben einer schönen Küstenlandschaft mit steilen, hellen Kliffs auch noch auf dem Weg einem Echidna begegneten. Der stachelige Schnabeligel ist neben dem Schnabeltier das einzige noch lebende Eier legende Säugetier und er ernährt sich hauptsächlich von Ameisen.

Direkt am Wegesrand war das Tier auf der Jagd nach eben diesen, als wir vorbei kamen und ihn bedrängten. Der Schnabeligel lies sich von uns nicht aus der Ruhe bringen und suchte gelassen weiter nach Ameisen, während wir ihn umstellt hatten und viele Fotos von ihm schossen.

Am Abend hieß es leider schon wieder zurück nach Adelaide—

wobei wir diesmal die „langweilige“ Fähre nahmen, statt des abenteuerlichen Fischerboots. Auf dieser Fahrt erfuhr ich dann auch noch von unserem Tour Guide, dass neben der Jugendherberge in Adelaide, in der ich noch einen Tag verbringen würde, da James nach Sydney abgereist war, das größte und berühmteste Bordell der Stadt liegt. Wollte der gute Mann mir etwas damit sagen?

Leider muss ich gestehen, dass meine Begeisterung für die gewählte Tourorganisation und ihre Unterkunft, das „Cottage“ nicht von allen geteilt wurde. Die drei Engländerinnen, die mit dabei waren, lachten mich regelrecht aus und nannten die kleine, gemütliche Hütte ein

„Shithole“. Und diese Damen wollten die folgende Woche zu einer Tour durchs Outback antreten? Mit Camping und allem Drum und Dran?