Geschichten aus der Pathologie
CSI Massey ermittelt
Bisher habe ich kaum von meinem Pathologiedienst erzählt.
Das ist eigentlich immer sehr interessant und vor allem witzig,
weil ich dabei von unserem Wildtierpathologen Maurice,
einem echten Kiwi- original, beaufsichtigt werde.
Wir bekommen so ziemlich alles zum zerlegen rein.
Wir kriegen Tiere, die eigentlich schon mehr Kompost sind.
Wir kriegen interessante Fälle, die sofort fotographiert werden
müssen. Wie ein Falke mit Kropfruptur zum Beispiel.
Oder wir kriegen Fälle, die sich in regelmässigen Abständen
wiederholen. Wie z.B. Aspergillose bei Antipoden- Insel- Sittichen
(Antipodes Island Parakeet), die sehr stressanfällige Vögel sind und
immer wieder im wahrsten Sinne des Wortes wegen dem Stress ein
so schlechtes Immunsystem haben, dass sie bei lebendigem Leib
verschimmeln.
Letzten Freitag musste ich dann einen Vortrag über angefressene Enten halten.
Ja, unbekannte Raubtiere waren über bedrohte, wieder ausgewilderte
Enten hergefallen!
Ein Fall für das CSI- Team von der Massey.
(namentlich in der letzten Woche Maurice, der Wildtierpathologe, ich und unsere
deutschen Praktikanten)
Der Vortrag war nicht geplant, die Studis kamen nur zu mir her
mit den Worten: Willst du uns deine Enten zeigen? In 5 Minuten
haben wir grosse Visite vor dem ganzen Semester!
Naja, es waren tote BEDROHTE wilde Enten, keine stinknormalen.
Die kann man dem ganzen Semester schon mal zeigen.
Na gut, schleppe ich die Kadaver eben zu meinem riesigen Publikum
und gebe eine Comedy- darbietung.
Da mir die Worte fehlen, rede ich mit Haenden und Fuessen und
spiele alles nach, wie der Hund in das Schutzgebiet eindringt,
die Enten angreift und frisst und wie dann die Geier kommen
und den Rest fressen…
Ich hatte echt nach jedem Satz einen Lacherfolg.
Zum Glück hatte uns unser Pathologie- Professor Maurice vorher
ausgiebig in die Geheimnisse der Entenmordaufklärung eingewiesen…
Dann noch ein weiterer Fall für das CSI- Team:
ein Hektors Delfin, Angehöriger der seltensten Delfinart der Welt
(endemisch für die neuseeländische Küste) wurde tot am Strand gefunden.
Das Tier war leider schon etwas unappetitlich vorverdaut…
Dennoch konnte man noch eindeutige Spuren menschlicher
Gewalteinwirkung sehen!
Es wurden zwar keine Anzeichen dafür entdeckt, dass das Tier in einem
Fischernetz verendet ist, aber der eingeschlagene Schädel und die
abgehackte Schwanzflosse geben doch einen Grund zur Vermutung,
dass der Delfin nicht an Altersschwäche gestorben ist.
Naja, nach einer Zahnaltersbestimmung und– jetzt kommt der Hammer–
der Untersuchung durch die HUMAN- Pathologen wissen wir mehr.
Ja, die humanen Pathologen!
Laut unserer Meerestierpathologin Wendi haben die an solchen Fällen
immer viel Spass.
Naja, kein Wunder, wenn man die Kathy Reichs Romane gelesen hat.
Da kann den Gerichtsmedizinern der Gestank auch nicht groß
genug sein.
Und bei dem Delfin waren die Gerüche kaum mehr als solche zu bezeichnen…
Noch ein paar neue Bilder von unseren Patienten in der Klinik.
Unser bereits bekannter Zwergpinguin mausert sich endlich.
























