Die Evakuierung
(Im Verlauf dieses Berichts kamen keine Tiere, Kollegen oder Chefs zu Schaden)
Kaum entscheide ich mich, wieder an die Uni zu kommen, ist natürlich wieder die Hölle los. Ja, die Handwerker haben heute einen neuen Fußboden verlegt. Mit einem Kleber voller Lösungsmittel… Trotz massiver Versicherungen an den Klinikleiter, dass es keine Probleme geben würde, konnten die Dämpfe leider nicht eingedämmt werden. Das Zeug brannte selbst in unseren Lungen, also gab es nur noch eines: Die Tiere mussten hier weg!
Ich kam also an, da war das absolute Chaos. Dutzende von Leuten liefen die Gänge auf und ab, die Anästhesie hat ihre ganzen Geräte ausgelagert, die Chirurgen haben ihr Zeug herumgeschoben… Ich kam in die Wildtierklinik, alles lag kreuz und quer in diversen HAUFEN. Hab ich erst mal “Hallo” gerufen.
Aus einem der vielen Haufen ist dann der Chef aufgetaucht. Hat mich nur gestresst angesehen.
Ich:” Was ist denn hier los?”
” Die verdammten Handwerker mit ihren Dämpfen! Wir evakulieren die Klinik. Die anderen sind schon bei unserer Ölunglücksstation…. und da sind auch schon alle unsere Vögel.”
Aaaahhhhja.
Also bin ich dann auch erst mal in hektische Aktivität ausgebrochen und habe diverse Auto und Anhänger beladen.
Bei dem ganzen Stress, den wir die ganze Zeit hatten, hätte man jetzt denken sollen, dass alles voll gestresst gewesen wäre. Nein, war es nicht. Jeder war fröhlich, jeder hat gelacht, alle haben zusammen an einem Projekt gearbeitet und an einem Strang gezogen.
Naja, wenn ich es mir recht überlege… vielleicht waren auch alle nur HIGH von den Dämpfen…
Der Chef war besonders GROSS darin, diverse Türen an- und wieder abzuschrauben.
Die Aussentür von der Klinik.
Die Türen diverser Käfige, sie sonst nicht durch die anderen Türen gepasst hätten.
Leider haben wir die Käfige auch dergestalt in die Ölunglücksbude geschafft. Nur blöd, dass dann der Chef eine der Türen dann an der Uni VERGESSEN hat, und dann nochmalzurückfahren musste.
Andrew: ” Frage. Wie soll der Habicht in dem Käfig OHNE Tür bleiben????”
Chef: ” Hmmm…. ich hab keine Ahnung.”
Ich konnte mich natürlich nicht beherrschen und habe viele Bilder gemacht.
Am Ende kam dann der Chef, um meine Kamera zu “konfiszieren” und wir haben etwas miteinander gerangelt, bis ich die Kamera zurückerobert hatte. (Zu deutsch: Ich hab ihn von hinten angesprungen mit den Worten: “Wage es bloooos nicht!” – “Ha, wart nur, bis ich den Memorychip habe…”)
Unter anderem ist diese Seite mit den Bildern eine Art Racheakt.
Just you wait…
Alles in allem war die Stimmung wunderbar. Ich konnte mal wieder so richtig lachen.
Das war für die Kerri, die Assistentin vom Chef etwas seltsam, dass sie mich gefragt hat: “Gehst dir gut?”
Und Andrew hat gemeint: “Ich hätte gerne wieder die ruhige, schüchterne Person VOR der Gehirnerschütterung…”
Nur der Chef war froh: “Good to have you laughing again.” “Gut, dass du wieder lachen kannst.”
:-)
Die sollten sich mal besser darauf einstellen…
Naja, weniger schön ist es, dass alle Viecher jetzt am Arsch der Welt auf der Kuhweide in dem Schuppen hausen (und ich bin froh, dass ich keinen Wochenenddienst machen muss!). Aber da haben die Viecher wenigstens frische Luft.
:-)
An der Uni, das war unmöglich. Unsere eigenen Lungen haben gebrannt von dem Zeug! Und das wird wohl auch noch bis nächste Woche in der Luft sein. Ich finde das unverantwortlich. Und hab auch schon vorgeschlagen, den Verantwortlichen zu köpfen und seinen Kopf in einem netten Schaukasten am Klinikeingang aufzustellen.
:-)
Aus unerfindlichen Gründen wurde dieser überaus vernünftige Vorschlag abgelehnt.
:-)
Ich hab heute auch mal wieder versucht, zu einer meiner Vorlesungen zu gehen. Nachdem ich meine Mails gecheckt hatte, war ich ziemlich sicher, zu wissen, wo die Vorlesung war. Hmm. Ich hab den ganzen Campus abgesucht. Mal wieder. Nach 30 min vergebliche Suche bin ich dann wieder an den Computer, um die neusten Änderungen zu erfahren. Ahja. Klar, 10 Minuten VOR Beginn der Vorlesung wurde dann mal mitgeteilt, WO die Verantstaltung tatsächlich stattfinden würde.
Hurra.
Naja, ich schätze, man will es möglichst spannend für die Studenten machen. Herausforderungen schaffen und so.
Ich würde hingegen aber lieber ein paar Arschtritte verteilen, wegen des enormen Aufwands an Organisation, der die Massey University so herausragend macht.
(triefende Ironie)
Ne, ich rege mich eigentlich nicht mehr darüber auf. Man muss das hier denke ich mit etwas fatalistischem Humor sehen. Oder unter dem Gesichtspunkt, dass man ja zumindest VERSUCHT hat, anwesend zu sein.
:-)
Hatte heute auch ein kleines Intermezzo mit Mike, dem Präparator von der Pathologie. Mike lacht mich an: “Hey, Ellen, du bist ja noch in EINEM Stück.”
Ich schaue ihn an. Runzle die Stirn.
Mike: “Maurice hat was von einem Autounfall erzählt. Es kam ein Truck darin vor.
Muss ziemlich schlimm gewesen sein.”
Ich lächle: ” Ja, war schlimm. Mir tut noch alles weh.”
- “Ich hab gehört du hast Bilder…”
Ja, Mike, ich habe Bilder…
Ich hole meine Kamera hervor: “Willst du die Bilder sehen?”
Mike rennt sofort her, grinsend. “Ja, klar, sofort. Sind sie digital? Wir könnten sie auf den großen Projektor laden….”
Klar Mike….. Ich hab ihm nur meinen kleinen Kameramonitor gezeigt.
Naja, ich denke, wenn man in der Pathologie arbeitet, entwickelt man früher oder später einen etwas morbiden Humor….
Und Assisstentin Kerri hat die extrem wichtige und ausgesprochen dringende (????) Aufgabe übernommen, mit mir in den Zoo zu fahren. Und das, nachdem ich ihr heute gesagt habe, dass die neuen Ausgehuniformen (also die Uniformen, die wir auf Konferenzen anziehen sollen) absolut scheisse aussehen und die Farbe an die Uniformen der Putzfrauen erinnert.
Andrew: “WAS hast du der Kerri gesagt????”
Ich: “Meine Meinung.”
Andrew: “Aber…”
Ich: “Andrew, ich hab keinen Bock, in einer grauen Putzfrauenuniform herumzulaufen! Du etwa?”
Andrew: “????”
Wie ihr seht, ich hatte heute viel Spass.

Oh, endlich mal ein nettes Bild von mir und dem Chef. Der Chef ist dabei, die Tür wieder anzuschrauben. Und ich mache mich dabei nützlich, indem ich als Schraubenhalter diene. Andrew wollte erst kein Foto machen. Aber dann hat der Chef gesagt: “Komm schon. Ein Bild für sie, damit zu herumzeigen kann, dass sie sich auch nützlich gemacht hat im Angesicht der Katastrophe….” (deswegen lachen wir beide auf dem Bild…)
Muss etwas von dem Lösungsmittel besorgen.
Für schlechte Zeiten.














