Auf Keajagd
Endlich war er da, der Tag, an dem mein aufregender Feldeinsatz auf
der Südinsel Neuseelands beginnen sollte.
Ein Einsatz in den Bergen, am höchsten Berg des Südpazifik,
am Mt. Cook (oder “Aoraki”= “Wolkenspiesser” wie die Maori sagen).
Zusammen mit der Clio vom Department of Conservation,
die ihre Doktorarbeit über die Keas macht, sollte ich dort Keas fangen.
Die Keas sind die großen, grünen Neuseeländschen Gebirgspapageien.
Sie gelten als die intelligentesten und neugierigesten Vögel der Welt
und sie zu fangen wäre eine echte Herausforderung!
Warum wir sie fangen wollten?
Naja, sie Keas haben angefangen, an allen alten Wanderhütten die
Bleiisolierungen zu fressen. Blei schmeckt süß, und so sehen die Vögel
es als Leckerli!
Nur dumm, dass Blei giftig ist und sie dadurch wie Steine vom Himmel
fallen.
Meine Aufgabe war es, zusammen mit Clio Blutproben zu sammeln
(die Vögel würden danach wieder freigelassen werden) um festzustellen,
wie schlimm die Vergiftungen wirklich sind.

Leider begrüßte mich am Mt. Cook ein so extrem scheiss Wetter (kalt, nass, regen), dass sich sogar die Keas nicht vor die Tuer trauten und wir deswegen im Touristen- Village sitzen mussten und ich in der YHA meine email schreiben konnte.
Geplant war ja, die Berge abzuklappern um ein paar Keas zu finden.
Seit fünf Wochen waren die Keas im Nationalpark einfach spurlos verschwunden, ohne dass irgendwer wusste, wo die Tiere waren.
Allgemeine Aussage: “Denen ist es im Moment einfach zu warm, es sollte eigentlich
schon schneien.”
Aber naja, warm ist relativ:
im DOC (Department of conservation) Basislager, wo ich jetzt residiere, friere ich mir
den Arsch ab…
Aber das ist auch kein Wunder–
die Berghuette, wo wir residieren ist direkt am Berg, und von unserem
Wohnzimmerfenster aus sehen wir den Gletscher!
Ab und zu donnert es da auch gewaltig, wenn die Lawinen den Berg runter kommen.
Unheimlich!
Aber die Aussicht ist natuerlich fantastisch.
Berge satt.
Ich denke, das wuerde euch allen sehr gut gefallen, es ist naemlich wie in einem
Bergsteigerfilm!
Falls man mal eine Wolkenlücke sieht und dahinter auf die Berge blicken kann…
Doch auch das Donnern der Lawinen alleine ist beeindruckend.
Die Ranger schickten mich auch mal bei schlechtem Wetter mangels eigener Beschaeftigung in die YHA, zum emailen–
ich sass vorher naemlich schlafend im Ranger- buero rum,
und das fanden alle etwas demotivierend.
Aber da war die Heizung an und das war soooo entspannend!
Aber wenigstens hatten wir heisses Wasser zum Duschen in der Huette (falls
das Gas mal nicht alle ist) was ein echter Luxus war!
In die Huette kommen auch oefter Bergsteiger, und das ist sehr interressant.
Die sind auf jeden Fall fitter als ich, mir war von Anfang an klar, dass mir die
Beine abfallen und ich meine Lunge rauskeuche, sobald ich die Berge hochkraxeln muss.
Die Berge sind naemlich dummerweise hoch und die Wege steil.
Aus irgendeinem Grund.
Dafuer wurde mir ja in der Klinik versichert, dass ich mit Sicherheit
mit dem knackigsten Arsch der Uni zurueckkommen wuerde.
Wenigstens etwas.
dann endlich wurde das Wetter besser, und wir sind 3 Tage lang
wie bloed in den Bergen herumgeirrt, um Keas zu finden.
Haben in Berghuetten uebernachtet, ohne Heizung und fliessend
Wasser, der Wind heulte um uns herum, und die Lawinen vom
Gletscher auf der anderen Seite des Tales haben uns am Morgen
aufgeweckt…
Als wir uns dann an den Absteig gemacht haben (der Wetterbericht sagte
extrem schlechtes Wetter und Sturm vorraus und unsere Vorräte gingen
zur Neige), war es echt gefaehrlich.
Aber wir wussten, wir muessen zurueck, das Wetter wird schlechter.
Also sind wir um Sturm ueber das Plateau gekrochen.
Der Sturm war so stark, dass die Regentropfen wir Nadeln um Gesicht
waren und es hat mich zweimal von den Fuessen geweht und
gegen Felsen geknallt.
Der wind war so stark, wir haben fuer den Kilometer 1 Stunde gebraucht
und konnten nicht laufen, mussten kriechen.
Ich hab mir fast in die Hosen gemacht vor Angst.
Aber naja, wir habens geschafft, sind dann im Windschatten von
dem Berg abgestiegen.
Der Berg:
Mt. Olivier, das ist der Berg, den Sir Edmund Hillary (der der den
Mt. Everest zuerst bestiegen hat) als ersten Berg bestiegen hat.
Dort steht die Mueller Huette, wo wir uebernachtet haben.
War spannend, in den Bergen herumzukraxeln.
Aber auch anstrengend, alles tat uns weh!
Naja, wir sind auch von 700 Metern Hoehe auf 2000 Meter Hoehe
hochgeklettert (und haben statt der durchschnittlichen 3 Stunden
5 Stunden gebraucht…)
Leider, leider haben wir die Keas NICHT gefunden.
Keine Ahnung, wo die stecken!!!!
Dafür war die Landschaft überwältigend.
So eine herrliche Aussicht!!!!
Nunja, diesmal hatte ich kein Glück mit den Keas.
Aber mein Chef in der Klinik hat mir versprochen, dass
wir diesen Einsatz früher oder später wiederholen.
Zu einer Zeit, wenn dann mit SICHERHEIT Keas im Lande sind!





























Am 18. Mai 2007 um 10:56 Uhr
Hallo Ellen,
mann, jetzt versteh ich warum du die Tour gemacht hast… Sind ja echt wahnsinnig schön die Bilder… Neid! Schade, dass es so kalt war. Aer trotzdem wirklich wunderschön!!
Liebe Grüße,
Yvonne