Kochendes Rotorua
Am Osterwochenende war ich in Rotorua, der „vulkanischen Hauptstadt“ Neuseelands.
Die ganze Stadt riecht penetrant nach Schwefel, und, ungelogen, aus jedem Loch steigt
Dampf auf.
Die Stadt liegt an einem See, der nichts anderes ist als ein großer Vulkankrater,
umgeben von weiteren Seen und Bergen, die auch nichts anderes als Vulkane sind.
Noch vor 120 Jahren konnte man nahe Rotorua das achte Weltwunder der Natur bestaunen:
die „Pinken und Weissen Terrassen“, Sinterterrassen, die die Flanke eines ganzen Berges
bedeckten. Sie bildeten viele kleine Pools, in denen sich das heiße Wasser sammelte, das von der Spitze des Berges herabfloss. Diese Pools luden natürlich zum Baden ein, und von 120 Jahren war das eine echte Touristenattraktion, mit Touristen, die aus aller Welt angereist kamen, um das achte Weltwunder zu bestaunen und darin zu baden.
Nahe den Terrassen stand ein kleines Maoridorf und eine Missionsstation, die sich zu einem
Touristenzentrum entwickelt hatte, komplett mit Hotel und Bar und Kutschenstation und Tourguides und allem. Das war wohl alles ganz nett und alles ging seinen gewohnten Gang, die Touristen wurden von den Maori über den Tarawera- See zu den Terrassen geschippert.
Alle waren mit der Situation zufrieden, außer dem Dorfschamanen vom Maoridorf.
Er hatte massiv an Einfluss verloren. Also sagte er ein schlimmes Ende für seinen Stamm und die weißen Eindringlinge voraus. Natürlich nahm in keiner ernst, und er alte Schamane brütete allein in seiner Hütte vor sich hin. An einem Tag hatte dann eine der Maori- Tourleiterinnen, die einigen Touristen die Terrassen zeigte, plötzlich eine Erscheinung.
Sie sah auf dem See, über den sie mit den Touristen ruderte, um zu den Terrassen zu kommen, in der ferne ein geisterhaftes Maorikanu, vollbesetzt mit bewaffneten Kriegern.
Die Führerin wunderte sich, denn es gab seit langem keine Kriegskanus mehr in der Gegend,
und so rief sie der Erscheinung zu, sie sollten sich zu Erkennen geben.
Die Krieger aber reagierten nicht auf ihre Rufe, und das geisterhafte Kanu verschwand so plötzlich, wie es aufgetaucht war.
Die Maorifrau war schockiert und eilte nach dem Ereignis sofort zum Schamanen.
Und der wusste sofort bescheid: die Erscheinung war eine Botschaft von den Ahnen, eine Warnung. Die Siedlung würde in kurzer Zeit ausgelöscht werden.
Das war auch der Fall.
Der Mt. Tarawera, der Vulkan, an dessen Fuß die Siedlung stand und an dem auch die Terrassen lagen, explodierte. Der Vulkan wurde regelrecht in 2 Hälften gerissen, und die Aschelawine die entstand, zielte genau auf die Siedlung und die als achtes Weltwunder berühmten Terrassen. Der Wald auf allen umliegenden Berghängen wurde verbrannt.
Und die Terrassen und die Siedlung, zusammen mit den Maori, den Weissen und den Touristen wurden verschüttet. Über hundert Leute kamen ums Leben, einige konnten fliehen.
Einer der wenigen Maori, der das Unglück überlebt hat, was der Schamane, der in den folgenden Monaten von den Maori beschuldigt wurde, das Unglück mit seiner bösen Magie verursacht zu haben.
Schon allein wegen dieser spannenden Geschichte wollte ich das alles selbst sehen.
Heute steht ein Museum an der Stelle der ehemaligen, verschütteten Siedlung, und die Archäologen sind dabei, die alten Gebäude wieder auszugraben.
Einige der Hütten wurden dabei auch wieder aufgebaut.
Rotorua steht auf einem Pulverfass, und meinen ersten Tag dort habe ich damit verbracht, mir die Schwefelquellen und einige der vielen Krater anzusehen. Die haben alle nur vorstellbaren Farben: von gelb, über grün und blau zu einem orange- rot.
Und pünktlich um 10.15 Uhr finden sich hunderte von Touristen ein, um ein überwältigendes Schauspiel zu sehen: die Explosion des gewaltigen Lady Knox Geysirs.
Dabei helfen die Parkranger aber mit etwas Waschmittel nach, damit der Geysir auch wirklich explodiert.
Das Detergent senkt die Oberflächenspannung des kalten Wassers, das über der Schicht mit überhitztem Wasser liegt. Dadurch kann das heiße Wasser aufsteigen und der Geysir explodiert, schleudert eine 20 Meter hohe Wasserfontäne nach oben.
Unter normalen Umständen würde der Geysir nur alle 2-3 Tage ausbrechen, zu wenig für eine echte Touristenattraktion.
Naja, ihr müsst mir jetzt allerdings glauben, dass ich die tollsten Bilder vom Geysir und den Schwefelquellen gemacht habe. Denn leider sind die Bilder in den digitalen Wirren meiner Kamera verloren gegangen (man sollte eventuell die Bedienungsanleitung lesen, bevor man
wie ich einfach mal wild alle Knöpfe drückt, ohne zu wissen, was sie anrichten….).
Ich hatte auch wunderbare Bilder von mir und den Maorikriegern und kämpfenden Kriegern
und dem Maoridorf und dem traditionellen Hangi- Essen. Seufz….
Somit kann ich euch leider nur ein paar Bilder von dem verschütteten Dorf, den kochenden Schlammlöchern und einigen dampfenden Löchern zeigen…
Diese dampfenden Löcher werden hier natürlich in hohem Masse zur Stromerzeugung genutzt, und heißes Wasser für Erholung und Entspannung steht massig zur Verfügung.
So hatte auch meine Jugendherberge, das Kiwi Paka (das sehr zu empfehlen ist!), einen eigenen heißen Pool, in dem man das heiße Wasser genießen und sich entspannen kann.
Ich hab den Pool natürlich ausgiebig getestet…
Rotorua ist auch ein Zentrum für Maorikultur.
Klar, dass ich an einem traditionellen „Hangi “- Essen teilgenommen habe, in einem Maoridorf. Die Maori haben für uns auch eine Show gemacht, mit Kampf, Gesang und Tanz.
Und sie haben uns ihre heilige Quelle gezeigt, nachts, im Dunkeln, im Wald.
Es war absolut dunkel dort, unter uns das Wasser, und langsam haben sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt und wir konnten hunderte von Glühwürmchen sehen, die sich um die Quelle herum im Wald angesiedelt haben. Kein Wunder dass diese Quelle ein heiliger Ort war, der von Naturgeistern bewacht wurde!
Das Hangi- Essen wird traditionell in einem Loch in der Erde gekocht (und in Rotorua ist die
Erde ja heiß genug zum kochen) und es gab viel gekochtes Gemüse, Hühnchen, Lamm und ein Spanferkel.
Yummy!!!!
Für jemanden wie mich, der den ganzen Tag in der dampfenden Natur herumgelaufen war und völlig ausgehungert war, war dieses Festessen eine echte Offenbarung!
Alles in allem war Rotorua sein Geld wert, auch wenn es eine echte Touristenstadt ist, mit den üblichen Angeboten an Souvenirs, Bungee- jumping, Hotels und Fastfoodketten.
Es ist ein „Must See“ in Neuseeland.
Und ihr solltet euch beeilen, es euch anzusehen:
der Nachbarvulkan vom Mt. Tarawera hat angefangen, grantig zu werden. Und wenn er hochgeht, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Rotorua ein ähnliches Schicksal ereilt wie das kleine Touristendorf am achten Weltwunder, den Sinterterrassen.

































