Das “wilde” Leben
Meine ersten Wochen im „Wildlife Ward“ der Massey University
in Palmerston North/ New Zealand
(Ich habe hier einige Bilder veröffentlicht, die mir freundlicherweise vom Team des
„Wildlife Ward“ zur Verfügung gestellt wurden. Falls ihr des Englischen
mächtig seit, schaut mal auf unsere Homepage:
Da wird demnächst auch mal ein Bild von mir zu sehen sein!
Übrigens—
falls jemand von euch sich berufen fühlt, das NZ Wildlife Health Centre nimmt
auch immer gerne Spenden entgegen…
Mehr auf der oben genannten Homepage)
1. Die erste Woche
Mein Start an der Massey University begann mit einem spannenden Tag.
Ich war in der Klinik, und musste gleich mitarbeiten.
Was mich nämlich überrascht hat—ich werde hier als „Resident“ in der Klinik geführt
und darf als Tierarzt mitarbeiten. Natürlich kann ich als deutscher Tierarzt (mein
deutscher Abschluss wird hier leider nicht anerkannt) keine Privatpatienten behandeln
und muss viele Dinge unter Aufsicht machen (Anästhesie, OPs, …) aber dennoch kommt viel auf mich zu, Sprechstunden, Operationen, Behandlungen und Wochenenddienste.
Einer meiner Uni-Kurse beinhaltet also sozusagen die Arbeit als Tierarzt in der Wildtierklinik.
Und somit arbeite ich jetzt also im „NZ Wildlife Health Centre“ mit.
Und da ich ein Mitarbeiter der Uni bin, hab ich natürlich auch schon eine UNIFORM bekommen.
Was gibt es hier für Patienten?
Wildtier ist hier alles, was kein Haustier und exotisch ist.
Ich bin zum Beispiel auch dazu abgestellt worden, bei den Sektionen der Meerestiere (Delfinwasserleichen und alles was schön stinkt) mitzuarbeiten.
Das will immer keiner machen… (warum wohl?)
Bereits in den ersten Tagen habe ich die ganze Vielfalt der neuseeländischen Tierwelt kennengelernt und versucht, diverse Nadeln und Schläuche in ihre diversen Körperteile zu stecken.
J
Was haben wir alles für Tiere?
Enten, darunter die bedrohten blauen Gebirgsenten, Kiwis, Pukekos, Seevögel, Greifvögel, Eulen, Keas, einen Zwergpinguin und natürlich unser prominentester Patient,
„Rex“, die 20 Jahre alte Tuatara (Urzeitechse).
Zusammen mit den beiden anderen Wildtier- Studenten Andrew und Jodie bin ich auch in einem 6-wöchigen Rotationsraster: 2 Wochen Klinikdienst, 2 Wochen Dienst in der Pathologie zusammen mit Professor Maurice Alley und dann 2 Wochen Forschungsarbeit.
Da ich aber noch kein Forschungsthema habe, nutze ich die Zeit vorerst noch, um Erfahrungen zu sammeln.
Daneben habe ich noch einen Conservation Biology Kurs an der Uni gewählt, der auch nicht ohne ist und ziemlich viel Hausarbeit erfordert.
Somit bin ich mit Arbeit eigentlich ganz gut eingedeckt.
J
Schon am ersten Tag war ich gefordert, zuerst Visite, dann Behandlungen.
Verbände bei der Tuatara wechseln, Seevögel Zwangs füttern, den Pinguin baden.
Letzteres ist besonders witzig: Draußen im Hof der Kleintierklinik steht ein Physiopool
für Hunde, den wir auch dazu nutzen, unsere Seevögel und Enten zu wässern.
J
Die Tiere haben einen Mords Spaß dabei und es gestaltet sich oft schwierig, sie mit einem Netz wieder einzufangen.
Das ganze hat auch noch einen medizinischen Sinn:
nur durch die Stimulation durch Wasser werden die Vögel zur Gefiederpflege animiert und
fetten ihre Federn ein, um wasserdicht zu werden.
Gleich am ersten Tag hat man mir einfach die Viecher in die Hand gedrückt, zusammen mit den Spritzen und der Kropfsonde, und ich musste die Medikamente verabreichen.
Mit den Seevögeln hatte ich echt einen Kampf, weil die echt zubeißen können.
Und ich sollte sie zwangsfüttern!
Dazu bekam ich den Fisch in die Hand, so, jetzt mach mal.
„Ich trau mich nicht…“
„So lernst du es nie, du musst das jetzt versuchen!“
„Okay…“
AUTSCH!
Ungefähr so.
Am Ende des Tages sahen meine Finger ziemlich geschreddert aus, und ich hatte zusätzlich auch noch das Glück, vom Kormoran gebissen zu werden…
Ich musste also echt alles machen, und meine eigene Unsicherheit zählte dabei nicht als Entschuldigung. Leider ist unsere deutsche Ausbildung in Sachen Vögel nicht unbedingt
legendär. Verband wechseln, Spritzen geben, Blut nehmen…
das kriege ich alles hin.
Dann aber mangelt es mir an den Basics:
Wie halte ich einen Papagei oder eine Eule richtig, ohne dass die mir wichtige Körperteile
amputieren?
Wie kriegt man den Schnabel einer Ente auf?
Und wie vermeidet man es, dass der Pinguin einen von oben bis unten vollkotzt?
Auch beim Blutausstrich beim Vogel bin ich gescheitert:
denn bei Vögeln macht man den anders als bei Säugetieren, weil deren Blutzellen empfindlicher sind. Naja, JETZT weiß ich das.
Ich kann dem Team vom Wildlife Ward nicht genug danken für ihre Geduld, die sie in den ersten Tagen mit mir hatten. Besonders meinem Chef und Betreuer Brett, der wirklich nett ist und wirklich eine enorme Leistung gezeigt hat, seine Genervtheit bei meiner Ungeschicklichkeit und meinem Halbwissen nicht zu zeigen.
Er hat mir alles gezeigt und auch 2 bis 3x erklärt.
Leider hatte und habe ich noch immer ein ziemliches Problem mit dem Verständnis der englischen Sprache. Egal, ob es einfache Anweisungen oder medizinische Angaben oder Krankheiten sind, ich muss oft mehrmals nachfragen, bis es für mich endlich einen Sinn ergibt.
Dazu kommt, dass die Leute hier natürlich ziemlich schnell reden und teilweise etwas nuscheln…
Teilweise habe ich in den ersten Tagen nur 50% der Info verstanden und bin den Leuten wohl teilweise etwas auf die Nerven gegangen mit meiner permanenten Fragerei.
Aber mein Betreuer hat mir versichert, dass ihm ein bisschen Fragerei viel lieber ist als irgendwelche dummen Fehler aufgrund von Missverständnissen.
Trotzdem:
Nach nur wenigen Tagen konnte ich dann mit Stolz verkünden, dass ich den Pinguin, die Seevögel und die Tauben problemlos versorgen konnte.
Erfolg!!!!
Und ich habe wahnsinnig viel gelernt:
Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass die Tuatara das einzige wärmeempfindliche Reptil der Welt ist? Man muss sie kühlen, NICHT wärmen, deshalb hat unser Rex (auch liebevoll „Sexy Rexy“ genannt J ) auch keinen Wärmestrahler und keine Heizung und nichts.
Und sitzt in einem normalen Käfig.
Denn wenn man Rex auf über 25 Grad erwärmen würde, würde er an Hitzestress eingehen.
Das fand ich sehr interessant! J
Tuataras, zu Deutsch Brückenechsen, sind uralte Echsen, viel, viel älter als die Dinosaurier.
Sie sind auch gar nicht nahe mit den heutigen Reptilien verwandt, alle ihre Verwandten sind im Erdmittelalter ausgestorben. Und die Tuataras sind auch heute extrem bedroht!
Es gibt sie nur noch auf Neuseeland. Oder besser, es gab sie hier.
Jetzt leben nur noch einige wenige Exemplare auf ein paar kleinen Inseln vor der Küste,
die meisten von ihnen sind im Magen von Hunden, Katzen und Mardern geendet.
Das wirklich besondere an ihnen ist, dass sie als einzige höhere Wirbeltiere noch 3 (!!) Augen besitzen. Denn bei allen anderen Reptilien, Vögeln und Säugetieren wurde
das 3. Auge in die Epiphyse, eine Drüse im Gehirn, umgewandelt.
Alles in allem konnte ich nach den ersten Tagen hier ein wundervolles Fazit ziehen.
Das Team in der Wildtier- Klinik, wir sind 6 Mann, 3 Studenten, der Chef, unsere Tierarzthelferin und die Assistentin vom Chef, ist supernett.
Aber es herrscht entspanntes und nettes Arbeitsklima.
Und selbst wenn ich teilweise etwas Bullshit mache, weil ich noch mit dem Englisch und dem vielen Input kämpfe, gab es bisher noch keinerlei Drama.
Nur einige wenige genervte Blicke…
J
Dazu kommt, dass ich einige Dinge machen kann, die ich schon immer machen wollte.
Feldarbeit zum Beispiel.
Aktiver Tierschutz und Forschung in der unberührten Wildnis Neuseelands.
Dinge, die man sonst nur auf dem TV sieht.
Und man wird mich für die Eingreiftruppe für Ölunglücke trainieren.
Dazu besitzt die Uni eine gigantische Anlage.
Und auf einer Kuhweide hinter dem Campus stehen 10 (!!) mobile Lastwagencontainer mit Reinigungseinrichtungen, einem Büro, Käfigen und Kisten mit Reinigungslösung und so weiter. Alles startfertig für den schlimmen Fall des Falles.
Als diese Ölsache das erste Mal erwähnt wurde, hab ich mir das alles kleiner vorgestellt,
und als wir dann plötzlich auf diese Kuhweide gefahren sind, auf der 10 LKW- Container randvoll mit dem neusten Equipment und einer mobilen Eingreifstation standen, sind mir die Augen aus dem Kopf gefallen.
Wow.
Falls es je zu einem Super- Gau kommt solange ich hier bin, bin ich dabei.
Eine echte Ehre.
Und das wäre ein echtes Abenteuer.
2. Leben an der Uni
Zurück in die Klinik:
Einige Vögel kann ich mittlerweile sogar selbst behandeln,
also die Tauben, die Seevögel (mit Handschuhen, nachdem
alle meine Finger aussehen wie geschreddert) und den Pinguin.
Die Ente ist viel zu quirlig, der Bussard zu schnell für mich,
den krieg ich nicht mal gefangen, und der Kea erzeugt gewaltigen Respekt bei mir…
(mit einem Schnabel, der problemlos Scheibenwischer abmontieren kann, ist das Abmontieren meiner Finger wohl nur ein kleineres Problem)
Und Rex, die Tuatara, ist mittlerweile von uns so extrem angepisst, dass ich ihn alleine nicht unter Kontrolle kriege (hey, immerhin ist er so lang wie mein Arm!).
Wir haben in meiner zweiten Woche den Kiwi operiert, der ein Stück Draht verschluckt hatte (zumindest sah es auf dem Röntgenbild danach aus).
Und nicht nur das, außer dem Draht, der in seinem Bauch herumgewandert
ist, haben wir noch einen Metallriegel für Klotüren aus seinem Magen geholt!!!!
Das war sehr interessant.
Vor allem, weil der arme Kerl (er heißt übrigens Percy) 25 (!!) Jahre alt ist und nur noch ein Bein hat (das andere wurde amputiert).
Naja, der Vogel hat alles gut überstanden und wir überwachten ihn die nächsten Tage.
Konnte mittlerweile auch schon wieder zu seinem Wildlifepark zurückkehren.
Jedenfalls, Percy der Kiwi war total knuffig.
Und hat den Ultraschall sogar freiwillig ohne Betäubung
über sich ergehen lassen!!!
Den Kiwi hält man übrigens so, wie auf dem angehängten Bild (siehe oben):
der Kopf ist versteckt und geborgen in der einen Armbeuge.
Das beruhigt den Vogel.
Aber Percy ist eigentlich eh ein sehr guter (kooperativer) Patient…
Ich hatte auch meinen ersten eigenen Patienten.
Naja, einen Übungspatienten, eine stinknormale Ente vom Uni- Teich.
Da schmeißen die Studies allen Müll rein.
Einer der Professoren probiert am Teich seine Angelsachen aus.
Und die Pferdeleute legen ab und zu Giftköder aus,
weil die Enten zu viele werden und in den Pferdeställen herumflattern (Salmonellen!).
Diesem meinen Entenpatienten ging es mit jedem Tag besser:
meine Ente hatte am Anfang grünen Durchfall, nervöse Symptome,
Anorexie, schlechtes AB und Schwäche.
Das passt perfekt zur Bleivergiftung…
Und vor allem, es ging es der Ente besser und sie hat ihr ganzes Futter gefressen.
Nachdem ich sie jetzt intensiv mit Ca- EDTA behandelte.
Natürlich wollte ich auch keine Infektion ausschließen, habe bei meiner Kotuntersuchung aber nichts Auffälliges gefunden. Ich denke, Bleivergiftung kommt ziemlich gut ran.
Die Ente hat wohl einen Sinker von den Angelsachen von dem bösen Prof verschluckt.
Insgesamt geht es mir nicht schlecht hier und ich kann mich auch
über nichts hier beschweren.
Nein, es gibt wirklich nichts zu meckern.
Letzte Woche hat mich die Tierarzthelferin sogar mit zum Markt
genommen, um Obst und Gemüse zu kaufen. Und heute hat sie mir einen Beutel Gemüse mitgebracht.
Jetzt werde ich die nächsten Wochen nicht hungern müssen….
Ich bin nur etwas gestresst im Moment und teilweise
etwas überfordert.
Aber das kommt vor allem daher, dass ich mich
nicht gut auskenne und alles neu ist.
Und ich tu mir noch etwas schwer mit dem Englisch
und hab jeden Tag mindestens 2 peinliche Momente
wegen Verständigungsprobleme.
Aber ich denke, das wird sich bessern.
3. DIE OP
Letzter Freitag war der totale Stress.
4 Vögel sind uns eingegangen.
2 wurden eingeschläfert (wobei das eine ein perfekt
gesunder Vogel war, aber wir hatten den Befehl vom
Tierschutzamt ( D.O.C.), das Tier zu töten, weil es zu klein zum Auswildern war… (????) )
ein Tier ist uns leider aus natürlichen Gründen eingegangen.
Und das letzte, eines unserer Lieblingstiere, in das wir uns alle verliebt hatten…
Da gab es leider einen Narkosezwischenfall während der Endoskopie.
Dieser Todesfall war komplett unnötig und ich hätte grad heulen können.
Aber ändern kann man es leider auch nicht…
Brett, der Chef, war wie wir alle ziemlich gestresst am Ende und auch ziemlich genervt.
Und ziemlich gereizt und bissig….
Verständlich.
Irgendwie ist am Freitag einfach alles blöd gelaufen.
An den Tieren, die wir einschläfern mussten, durften wir Studenten
immerhin die Endoskopie üben.
Wow, ich hab zum ersten Mal einen Vogel endoskopiert.
Und muss sagen, das schwerste ist der Eintritt, also der Schnitt und das Loch, wo man in die Bauchhöhle eindringt.
Ein Loch konnte ich machen, aber das Endoskop dann da auch rein…..
Ich kann euch sagen, ich war dann erst mal fertig mit der Welt,
der traurige Todesfall und meine ganze Konzentration
bei der Endoskopie haben mich total erschöpft.
Aber dann haben wir einen Bussard reinbekommen, den ich geröntgt habe.
Super, ein einfacher Bruch am Humerus, einfach zu operieren.
Also sagt der Chef, ich soll den Vogel zusammen mit Andrew (das ist mein älterer Kommilitone) operieren.
Der Chef (noch immer genervt) verschwindet zu einer Besprechung.
Wir haben ganze 10 min Mittagspause…
Ich war Kompost.
Ich fühlte mich so, ich sah so aus und weil ich komplett nass geschwitzt war, roch ich wohl auch so.
Aber wenigstens hatte ich Andrew als Helfer für die OP.
Andrew erklärt gut, ist geduldig und hat immer einen Plan.
Mit ihm zusammen wäre die OP gaaaanz entspannt.
Wir haben die Röntgenbilder angesehen und einen OP- Plan gemacht.
Und wir haben uns eine Studentin aus dem 10 Semester als Helferin geschnappt (Anästhesie und so).
Gerade wollten Andrew und ich loslegen, kommt der Chef wieder rein.
Hatte keinen Bock mehr auf Besprechung, und ist total genervt, wegen des scheiss Tages.
Ach du scheisse.
Also schickt Brett, der Chef, den lieben Andrew weg und sagt, die Ellen macht die OP jetzt.
Allein, ohne Assistenz.
Nur mit ihm als Aufseher.
Mein Schocklevel stieg in ungeahnte Höhen…
Naja, zum OP- Plan gefragt wiederhole ich das, was Andrew mir gesagt hat,
was gut ist, da ich zu keinen eigenen Gedanken mehr fähig bin.
Ich meine, der Brett ist nett und geduldig und so, aber am Freitag hat man besser mehrere Meter Abstand von ihm gehalten.
Und jetzt kommt er und will, dass ich die OP alleine mache,
wo ich doch der große Chirurg bin, jeden Tag 2 Osteosynthesen mache
und mich in einer Mega- Mittagspause komplett von den Trauerfällen
des Vormittags erholt hatte.
Gigantisch.
Mein Kommentar, dass es kein guter Tag wäre und der arme
Bussard wohl die anderen Vögel über den Jordan begleiten würde,
wird mit der genervten Antwort abgetan, ich soll nicht so pessimistisch sein.
Außerdem wäre das ja alles seeeeehr entspannt, der Vogel keine
bedrohte Art, die OP mehr als einfach und der Chef nahe bei mir.
(eben…)
Also mach ich mich steril, zieh das Jäckli an und schimpfe erst
mal über die blöden OP- Tücher.
Was dazu führt, dass ich eines der heiligen selbstklebenden
Plastiktücher bekomme.
(hilft mir jetzt aber nicht so direkt weiter…..)
Naja, am Ende hat mir der Chef jeden Schritt erklärt,
und ich hab einfach gemacht, was er gesagt hat.
Und ich hab es geschafft, dass der Knochen und der Flügel stabil
waren, indem ich einen intramedullären Pin und 3 externe Fixations-
pins eingedreht habe.
Hab das zwar noch nie gemacht, aber war jetzt nicht soooo
schwer.
Das Ergebnis sah am Ende dann echt gut aus.
Und vor allem, ich hab es alleine gemacht,
ohne, dass der Chef sich waschen und umziehen musste.
Stand nur da und hat Anweisungen gegeben
(vor allem die eine, dass ich endlich aufhören soll,
zu meckern; ich hab aber nur aus dem Grund gemeckert,
weil ich meine Panik irgendwie überspielen musste…)
Aber, am Ende, ist meine erste Osteosynthese OP bei einem
Raubvogel gut gelaufen und der Chef war zum ersten Mal
an diesem Tag zufrieden.
ja, der Chef war zufrieden.
!!!!!!!!!!!!!!!!!
ich musste dann nur noch den OP bericht schreiben.
Und auch den fand der Chef ganz okay.
J
Jedenfalls, das war ein Ereignis, auf das ich dann mal stolz war.
Auch wenn ich dann am Abend (um halb acht waren wir dann
endlich fertig) komplett im Arsch war.
Kompost ist nix dagegen!
Ich musste dann noch in die Stadt, Essen kaufen.
Unterwegs treffe ich dann die anderen Deutschen im Bus.
Die gehen ins Kino!
Ich hätte heulen können und war erstmal komplett frustriert.
Ich wäre sooo gerne mit ins Kino, war aber natürlich
komplett verdreckt wegen meiner Arbeit und außerdem fühlte ich mich wirklich,
wie bereits erwähnt, wie gut vergorener Kompost.
Aber naja.
Mann kann wohl nicht alles haben.
Entweder ein ruhiges, entspanntes Leben mit Party und Fun,
oder aber Abenteuer mit dem Widerauswildern von Vögeln, Öl-unglück- Operationen
und Field-trips zum

Ja, ihr habt richtig gelesen.
In 4 Wochen reise ich auf Kosten der Uni auf die Südinsel.
Ins Gebirge.
Die Keas, die neuseeländischen Gebirgspapageien, dort leiden alle an einer schlimmen Bleivergiftung und fallen jetzt wie Steine vom Himmel (bildlich gesprochen).
Blei hat nun mal die dumme Eigenschaft, dass es süß schmeckt, und die Keas zerlegen alles,
auch die Dichtungen sämtlicher Wanderhütten im Gebirge. Dumm, dass man noch kein Geld dafür hatte, alle bleihaltigen Dichtungen zu entfernen und neue Hütten aufzustellen…
Andrew hat mir schon Bilder von seinen voran gegangenen Expeditionen gezeigt.
Unter anderem von dort, wo wir in 4 Wochen die Keas einfangen werden.Also im Gebirge um Mount Cook auf der Südinsel. WUNDERVOLLE Landschaft dort. Traumhaft. Nur Andrew bezweifelt, dass mein Australischer Schlafsack (ein teurer Daunenschlafsack, der mich bisher nie im Stich gelassen hat) dort was bringt. Seine Erklärung: “Australien: großes, WARMES Land.
Neuseeland: kleines, KALTES Land.”
Wobei man dazu sagen muss, dass Andrew und Brett Australier sind und hier ständig über das Wetter schimpfen und ständig am frieren sind. Ich hab dagegen ständig Hitzewallungen….
Naja, jedenfalls hat mir Andrew Bilder von seinem Base- Camp im Busch gezeigt und von den Beobachtungsverschlägen und den Fallen, die aufgestellt werden. Wow, das ist wie im Fernsehen!!!! Cool war heute auch einer der mysteriösen Todesfälle in der Patho. Denn, in die Patho ist ein “Kea am Stil” eingeliefert worden. Ja, richtig. Ein Kea, der sich selbst in einem Baum gepfählt und stranguliert hat. Das sah total krass aus! Man hatte da diesen Ast mit mehreren Gabelungen in der Hand und daran war der Kea aufgespießt wie Eis am Stiel oder wie ein Hähnchen am Grill. Maurice, der Pathologie- Professor, hat einige martialische Bilder geschossen und dabei die ganze Zeit böse gelacht. Ich glaube, wenn der in einer seiner Stimmungen ist, sollte man Abstand halten…
Er beurteilt einen guten Pathologen eh danach, wie intensiv derjenige herummetzelt…
Naja, Spaß beiseite. Das Problem der Keas hab ich ja schon geschildert. Bleivergiftung. Und die verursacht natürlich auch nervöse Störungen. Oder, wie einer unserer Wissenschaftler es so treffend formuliert hat: “Ein Glück, dass der IQ der Keas durch das Blei so stark unterdrückt wird und die jetzt alle blöd werden. Ansonsten hätten sie die Insel längst übernommen und säßen im Parlament.”
























Am 20. Januar 2011 um 16:19 Uhr
Tolle Bilder, interessante Berichte. Da bekommt man mal so ganz andere Einblicke.