Die ersten Tage an der Massey University

Aussicht auf einige Forschungseinrichtungen

Das erste, was am Turitea Campus auffällt, ist das viele Grün, der herrliche

Park, der hier angelegt wurde. Ein echter Regenwald, mit Bächen und

Wasserfällen und kleinen Brücken darüber und das viele, dichte

Grün. Grün in allen Schattierungen.

Der Campus ist sehr übersichtlich, was aber wohl vor allem

daran liegt, dass er wesentlich kleiner ist, als das, was man

aus Deutschland gewohnt ist.

Die Mensa wurde wohl nach amerikanischem System gestaltet,

was sich vor allem im Essen zeigt:

hauptsächlich Fast Food in allen Variationen wird angeboten.

Gut, dass ich die Möglichkeit habe, selbst zu kochen!

Die Leute, die an der Uni arbeiten, sind durchweg freundlich

und hilfsbereit, auch ausserhalb der Öffnungszeiten

( wie ich bereits feststellen konnte).

Zu sagen, dass sie weniger gut organisiert sind als die Deutschen,

weil es ein kleines Hin- und Her wegen meiner Kurse gab,

wäre aber falsch.

Sie sind organisiert, nur ANDERS.

Hier geht es nicht genau auf den Tag oder die Stunde mit einem

Termin, und statt mir einen Stundenplan in die Hand zu drücken,

bekomme ich halt dann nur gesagt:

” Sei einfach am Montag um Acht in der Tierklinik, dann sehen

wir mal, was wir machen.”

Für einen Kiwi ist damit natürlich jeder Zweifel aus der Welt geschafft,

ein Deutscher fühlt sich damit aber dann doch geringgradig

verunsichert.

Wie sind jetzt meine ersten Tage an der Massey gelaufen?

Seit Sonntag läuft hier die einwöchige Orientation Week für

die neuen Studenten, auch für die internationalen.

Vieles, was uns hier erzählt wird, ist tatsächlich hilfreich,

andere Dinge, wie die Einweisung zum richtigen Studieren

oder ähnliches betrifft vor allem die Jüngeren, weswegen ich

zu den Zeiten, wo dies auf dem Zeitplan stand, andere

Prioritäten setzte.

:-)

Allerlei Vertreter von der Uni, Stadt und Wirtschaft begrüßen einen,

darunter die Bürgermeisterin und der Vizekanzler der Uni.

Aber es gab durchaus auch einige Highlights:

Am Sonntag stand ein Besuch bei der Uni- Farm auf dem

Programm. Eigentlich gibt es ja DIE Uni- Farm NICHT.

Denn, alles Gelände um die Uni herum sind Hunderte

Hektar von Farmland, mit allen möglichen Viechern und

allen möglichen Pflanzen drauf.

Der Besuch bei der Abteilung für Milchkühe war faszinierend:

hier konnte ich ein riesiges Melkkarusell bewundern,

das von EINER einzigen Person bedient werden kann

und mit dem man bis zu 300 (!!) Kühe in der Stunde melken

kann. Sowas hatte ich wirklich noch nicht gesehen und die

Demonstration, die während der Melkzeit stattfand,

war wirklich beeindruckend.

In der Abteilung für Schafe bekamen wir hautnah gezeigt,

wie man Schafe schert und durften selbst mal so ein

Schaf halten. Dann bekamen wir noch eine kurze Vorführung

der Hütehunde zu sehen, was auch ganz cool war.

Zum Schluß gings zu den Hirschen–

ja, hier werden HIRSCHE, echte Rothirsche, zur Fleischproduktion

gezüchtet, hunderte stehen auf den Weiden.

Der Vorteil der Hische gegenüber Kühen und anderen Wiederkäuern

ist relativ einfach:

sie sind pflegeleicht, ihr Fleisch ist besonders reichhaltig

und, sie produzieren in ihrem Pansen weniger Methan

als Kühe, was wichtig zum Klimaschutz ist.

(das Methan das von den Milliarden Kühen auf der Welt

produziert wird, ist ein wesentlicher Klimakiller!)

Die Hirsche, die wir präsentiert bekamen, waren allesamt

Forschungshirsche, alle mit einer Pansenfistel an der Seite,

damit man ja einen guten Einblick in die Geschehnisse

IM Hirsch selbst hat. Die meisten waren Handaufzuchten

und daher handzahm.

Es war wie in einem großen Streichelzoo:

wir Studenten bekamen Futter in die Hand, und durften uns

dann unter die Hirsche mischen und sie füttern.

Was für ein Erlebnis!

Der Abend schloß mit einem BBQ in der Mensa, also Lammkotelett

all you can eat.

GREAT!

Der Montag war geprägt von diversen Vorträgen,

die ich geschickt umging, indem ich meinen Betreuer

in der Tiermedizinischen Fakultät aufsuchte.

Leider war die zuständige Sekretärin, die das mit meinen Kursen

organisiert, nicht da (weswegen mein Gespräch wegen der Kurseinteilung

etwas unfruchtbar verlief und in dem Montag 8 Uhr “und dann schau mer mal,

was mer machen”- Termin in der Klinik endete).

Dafür bekam ich die Tiere in den Käfigen gezeigt (leider keine Kiwis dort im Moment,

dafür aber eine Tuatara, eine Brückenechse, das Urzeitviech mit den 3 Augen

und einige Waldtauben).

Soweit mir die Leute vorgestellt wurden und ich sie kennen gelernt habe, machen sie alle einen netten und freundlichen Eindruck. Ich kann jederzeit so viel ich will (falls ich Zeit habe!!!) in der Wildtierklinik mitarbeiten.

Ich hab zwar keinen “echten” Klinikdienst, aber meine Hilfe

wird gern gesehen, wurde mir gesagt.

Mein Betreuer sagte nur, ich muss das halt mit meinen

Kursen auf die Reihe kriegen.

Die Kurse sind sehr anspruchsvoll, und man muss viele Berichte schreiben und Hausarbeiten machen.

Das wird, soweit ich mich bisher umgehört habe, eine ziemliche

Wahnsinnsarbeit…

Dann wurde mir noch die Chefin von der Marine Mammal Pathology vorgestellt, die händeringend jemanden sucht, der ihr bei den Sektionen assistiert.

(also Seelöwen und Delfine und so, weil hier immer welche

eingeliefert werden, die an irgendwas gestorben sind), das will wohl keiner machen.

Ich hoffe sehr, dass ich dafür etwas Zeit finde, weil das wäre schon interessant!!!!!

Immerhin ist eines meiner Fächer Wildtierpathologie.

:-)

Im Endeffekt bin ich jetzt in die Kurse Wildtiergesundheit,

Tierschutzbiologie und Übungen zum wissenschaftlichen Arbeiten

(den Kurs MUSS jeder machen) eingeschrieben.

Zusätzlich habe ich als Spezial Topic das Fach´”Wildtierpathologie”.

Das hört sich jetzt nicht so viel an, ist aber wie gesagt ein Vollzeitstudium.

Wie ich es aber genau einzuschätzen habe, erfahre ich wohl aber erst

in den nächsten Wochen.

Was ich als Forschungsprojekt mache, soll ich mir in den nächsten

Monaten gut und genau überlegen und ich soll mir auch

alles ansehen.

Keinesfalls sagt mein Betreuer soll ich was machen,

was mich nicht interessiert und wo ich mich herumquälen muss.

Ich kann alles mögliche machen, aber wahrscheinlich wird

es was pathologisches oder epidemiologisches.

Er fände es gaaaaanz toll, wenn ich sein Kiwi- projekt machen

würde: und zwar Kardiologie beim braunen Kiwi.

Da hab ich ihm schon gesagt, dass das nicht soooo mein Spezialgebiet wäre…

Dann meinte er, ich könnte ja Histopatho zur Kardiologie

und Stressanfälligkeit beim Kiwi machen…

Zum Abschluß lernte ich noch zwei wesentliche Dinge über das System hier:

Hier werden die Studenten fürs Käfigputzen BEZAHLT und, Schutzkleidung

bekommt man gestellt.

Cool.

:-)

Der Montagabend schloß in der Commencement Ceremony.

Wow, das war echt etwas wie im Film.

Eine feierliche Prozession der Würdenträger der Uni und der Stadt,

mit einem Herold, der alles ankündigte…

alle gekleidet in ihren bunten Roben und mit ihren Hüten,

manche von ihnen Federn am Hut.

Alle im Saal mussten aufstehen, dann wurde die Nationalhymne

gesungen (in der englischen und der Maori- Fassung…

wobei die Melodie eher an ein Kinderlied erinnert).

Reden wurden gehalten, und es gab auch etwas zu essen,

Rinderbraten mit Gemüse und Süßkartoffeln.

Das war wirklich eine neue Erfahrung für mich, sonst kannte

ich sowas ja nur aus Filmen.

Eine ganz andere Stimmung als bei den deutschen eher informellen

Veranstaltungen!

Der Abend schloß mit einer witzigen Darbietung eines Comidians

auf der Bühne, der mit lustigen Darbietungen und Sketchen

das Uni- Leben auf die Schippe nahm.

Der nächste Tag stand dann im Zeichen des “Freunde findens”

wobei wir in einer unglaublichen Affenhitze irgendwelche

sportlichen Wettbewerbe im Staffellauf, Seilziehen,

Sackhüpfen und Teebeutelweitwurf absolvieren mussten.

Uff.

Ja, Neuseeland leidet im Moment unter einer enormen

und sehr ungewöhnlichen Hitzewelle, mit starker

Sonneneinstrahlung und allen damit zusammenhängenden

Problemen.

Sehr ungewöhnlich, denn sonst ist Palmerston North eher

eine Stadt des Dauerregens und Windes.

(weswegen hinter der Stadt auf den umliegenden Hügeln

auch das gewaltige Windkraftwerk steht!).

So, jetzt muss ich mich mal um mein restliches Tagwerk kümmern

und vielleicht schaue ich heute auch noch mal an der Uni vorbei,

da gibt es wieder einige Studentenaktivitäten.

Einen Kommentar schreiben